Topic outline

  • Ankunft. (Tag 1-5 | 6.-10.9.)

    Themen: Anreise, WEIKE, Einzug

    Nach zwei sehr angenehmen Flügen - von Stuttgart über Istanbul nach Mombasa - und einer spannenden Busfahrt durch beeindruckende Palmenwälder kommen wir erwartungsvoll in Kilifi an. Unser Hotel "Dhows Inn", welches in Mnarani, dem Nachbarort von Kilifi, liegt, lässt uns direkt ahnen, unter welchen Verhältnissen wir hier die nächsten Monate leben werden: einfache Betten, tropfende Wasserhähne und Toilettenspülungen und von WIFI ist nur zu träumen. Aber - darauf hatten wir uns eingestellt. Wir beziehen also zufrieden unsere Zimmer und verbringen anschließend erst einmal ein paar Stunden am traumhaften Strand unterhalb des Mnarani Beach Clubs:


    Nach einem leckeren Mittagessen im "Oceans Food Court" schlendern noch ein wenig durch die Innenstadt von Kilifi und dürfen am Abend ein traumhaftes Buffet bei Sissi im Mnarani Beach Club genießen. Sissi Closs ist unsere Professorin aus Deutschland, die für das Kooperationsprojekt mit Kenia verantwortlich ist. Sie ist jetzt am Anfang auch für zwei Wochen in Kilifi, unter anderem, um die Spring School durchzuführen und den WEIKE-Verein voranzutreiben.

    Am nächsten Tag entscheiden wir uns, entgegen des Plans, schon heute unser Haus auf dem Campus zu beziehen, denn dies ist doch deutlich wohnlicher und gemütlicher als das Hotel. Doch vorher geht es zum Land des WEIKE-Vereins (Women Empowerment in Kenya). Dort dürfen wir ein paar Leute beim Arbeiten beobachten, die gerade dabei sind, aufs Grundwasser zu graben, um einen Brunnen zur Bewässerung des Landes zu bauen. Verrückt, zu sehen, mit welcher Konstruktion sie dafür vorgehen. Das wäre in Deutschland so gar nicht vorstellbar.

    Im Anschluss ziehen wir auf den Campus um. Unser Haus teilt sich in 2 gespiegelte, aber ansonsten identische Appartements auf. Im linken Appartement ziehen Dennis und Greta zu Paula, einer Deutschlehrerin vom DAAD, ein – Julien, Valeria und ich ziehen ins rechte. Wir haben ein großes Wohnzimmer, eine (Wasch-)Küche, ein WC, ein Bad mit WC, Dusche und Waschbecken, und 3 Schlafräume, die mit großen Betten und Kleiderschränken ausgestattet sind. Am Nachmittag nehmen uns Paul und Abdallah noch mit zum „Baobab Beach“ am offenen Meer, wo wir ein wenig baden und das leckere Stoney Tangawizi, ein Soda aus Ingwer, schlürfen.

    Generell durften wir in diesen ersten Tagen schon viele neue, spannende Orte kennenlernen und viele Erfahrungen sammeln. Das Einleben fiel uns allen recht leicht und ging wirklich schnell, vor allem dank Pauls umfangreicher Hilfe! Paul und Abdallah sind die zwei kenianischen Studenten, die im Sommer für 3 Monate bei uns in Deutschland waren. Abdallah arbeitet leider in Malindi, einem Ort, der ca. 70km nördlich von Kilifi liegt, deshalb kann er hier nicht allzu viel Zeit mit uns verbringen. Paul hingegen hilft uns sehr viel im Alltag, z. B. die richtigen Orte zum Essen, Trinken oder Baden zu finden, er stellt uns super freundliche Menschen vor und hilft uns, die richtigen Preisen auszuhandeln – ob auf dem Markt für frischen Obst und Gemüse oder auf der Tuktuk fahrt. Das Tuktuk ist hier unser Hauptfortbewegungsmittel. Damit kommt man schnell von A nach B, vor allem, weil wir hier meist keine großen Strecken zurücklegen müssen. Weitere Strecken, z. B. nach Mombasa oder Malindi sind besser mit dem Matatu zurückzulegen.

    • Woche 1. (Tag 6-12 | 9.-15.9.)

      Themen: Erste Kontakte, Mother Biggy, WEIKE, Mnarani Ruins, Boat Yard

      Unsere erste richtige Woche hier am Campus der Pwani University ist vollgepackt mit Terminen und Meetings zur Einführung. Gleich am Montag treffen wir Edith, sie zeigt uns den Campus und stellt uns viele wichtige Menschen vor. Alle Menschen, die wir hier bisher kennenlernen durften, sind super freundlich und zuvorkommend und heißen uns so herzlich willkommen. Besonders Ediths herzliche, verständnisvolle und hilfsbereite Art fällt mir positiv auf. Edith ist Dozentin an der Pwani University und macht gerade Ihren PhD. Sie und Sissi leiten gemeinsam das Kooperationsprojekt zwichen der HsKA und der PU, deshalb hilft Edith uns viel bei Uni-Angelegenheiten, aber auch im Alltag steht sie uns viel zur Seite. Auch alle anderen Menschen, die wir kennenlernen durften, freuen sich sehr, uns zu sehen und uns kennenzulernen und heißen uns hier so herzlich Willkommen. Ich weiß gar nicht, wie oft ich in den ersten Tagen die Worte „And again: You are so very welcome!“ gehört habe.

      Mittags zeigt uns Paul Mama Biggy und ihr kleines „Restaurant“, das Mother Biggies. Es liegt direkt gegenüber vom Campus, wir müssen also nur aus dem Gate raus und über die Straße gehen. Durch eine kleine Hütte, die den Eingang bildet, gelangt man in einen Innenhof, der von mehreren Häuschen eingeschlossen ist, alles wirkt arm und heruntergekommen, aber authentisch und die Menschen zufrieden. Im Innenhof stehen einige Holzbänke, gegessen wir daran von den Locals hauptäschlich mit den Händen, manche essen auch mit Löffeln. In einer Ecke zwsichen den ganzen essenden Menschen sitzt Mama Biggy und bereitet Pilau zu. Anfangs war ich ehrlich gesagt etwas skeptisch, was die Hygiene hier betrifft, aber das Vertrauen in Paul und seine Empfehlungen enttäuscht mich nicht: Der Pilau ist so unfassbar gut! Und er kostet gerade einmal 100 KSH (also umgerechnet ca. 90 Cent). Leider können wir nicht viel mit Mama Biggy sprechen, da sie nur Keswahili spricht, aber wir können ihr vermitteln, dass wir ihr Essen lieben, und sie uns, dass sie sehr dankbar ist. Nach unserem Besuch ruft sie sogar Paul noch einmal an und sagt ihm, dass wir immer wieder herzlich willkommen sind und dass sie sich sehr gefreut hat, dass wir bei ihr waren und ihr Essen probiert haben. Sie lädt uns direkt für Freitagmittag auf ein „Chef’s dish“ ein. Wir kommen wieder!

      Am Dienstag haben wir ein Meeting an der Uni mit vielen Leuten, die über die Einführung eines KMM-ähnlichen Studiengangs informiert werden sollen bzw. darin involviert sind. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde werden sowohl die Projektziele und mögliche Studieninhalte präsentiert und diskutiert als auch die Summer School geplant. Nach diesem Meeting dürfen wir ein großartiges Buffet zum Lunch an der Uni genießen. Am Nachmittag erkunden wir die Bibliothek der PU, wir gehen hauptsächlich zum Arbeiten im WLAN dorthin, leider muss ich jedoch feststellen, dass mein Laptop große Schwierigkeiten hat, sich mit dem WLAN des Campus‘ zu verbinden, weshalb ich kaum etwas regeln kann.

      Mittwoch haben wir ein erstes Meeting mit den WEIKE-Women. Wir stellen ihnen heute das von Greta, Dennis und Valeria im Sommersemester erarbeitete Material über Sexual Transmitted Infections (STI) und die Relevanz von geschütztem Sex vor. Anfangs sind wir etwas unsicher, wie dieses durchaus sensible Thema bei den Frauen ankommt. Aus einer angeregten Diskussion zwischen Paul und den Frauen (Paul diente als Dolmetscher, da die Frauen nur Swahili sprechen), ergibt sich jedoch, dass die Frauen durchaus offen mit dem Thema umgehen und das Infomaterial annehmen. Es ergibt sich jedoch auch die Tatsache, dass das mit dem geschützten Sex für die Frauen nicht ganz so einfach ist, wie wir uns das vorstellen und dass viele unwahre Mythen über die Nutzung von Kondomen deren Nutzung verhindern.

      Am Donnerstag kommen die weiteren Summer School Teilnehmer (Belinda, Dominik, Nero und Miriam) hier in Kilifi an. Wir treffen sie kurz für erste Abstimmungen, teilen uns die Arbeit für die anstehenden Präsentationen auf und gehen dann ins Mnarani Beach Club Hotel, um dort an den Präsentationen zu arbeiten. Am Abend treffen wir uns alle für ein gemeinsames Dinner mit Edith im Distant Relatives, einem Backpacker Hostel, welches Oberhalb des Seahorse Beach liegt. Verzweifelt versuchen wir im Dunkeln nach dem Essen noch die fluoreszierenden Angeln zu entdecken, aber leider bleiben wir erfolglos – vermutlich auch wegen des Vollmondes. Nach einer überaus lustigen Heimfahrt fallen wir erschöpft, aber zufrieden ins Bett.

      Freitagvormittag bereiten Julien und ich hauptsächlich unsere Präsentation für die Summer School vor und mittags gibt es dann den lang ersehnten Lunch bei Mother Biggy: Biryani heißt das Gericht. Und sie hat uns mit ihrem „Chef’s dish“ nicht zu viel versprochen – es ist wahnsinnig lecker und schmeckt uns allen noch viel besser als das auch schon gute Pilau von Montag. Es handelt sich um ein Reisgericht mit Paprika, darauf Hähnchenschenkel gekocht in einer Tomaten-Mango-Sauce. Einfach nur lecker! Wir werden sicher öfter freitags hierherkommen.

      Nachmittags machen wir noch einen Spaziergang durch Kilifi und erkunden mehrere Märkte und Straßen und abends gibt’s mal was richtig Deutsches zu essen: Bratkartoffeln! Auf ein Feierabendbier treffen wir uns noch mit dem anderen im Kavenya, einer Bar direkt gegenüber vom Campus.

      Unser Wochenende starten wir mit Pancake-Frühstück, so wie sich das gehört! Danach gehen wir Touri-mäßig ein wenig los und besichtigen die Mnarani Ruins, alte Ruinen von Moscheen aus dem 15. Jahrhundert. Wir bekommen eine informative Führung durch die Anlage und man erklärt uns, was die verschiedenen Überreste einmal waren, z. B. Schulen, Gebetsräume oder Gräber. Hier sehen wir auch beeindruckende Baobab-Bäume, die hier ganz typisch sind. Diese Bäume werden uralt und vor allem wahnsinnig groß und breit. Wir sind beeindruckt! Im Eintrittspreis inbegriffen ist auch eine „Snake Farm“, die uns allerdings eher abschreckt. In superkleinen Kästen werden einzelne Schlangen gehalten, manche sind sogar verletzt und bluten. Das finden wir nicht so schön und drehen dort deshalb schnell wieder um.

      Was uns jedoch sehr gut gefällt, ist die kleine Bar am Boat Yard. Zwar ist es etwas merkwürdig, dass hier nur reiche, weiße Leute sitzen, die scheinbar ihre Boote im Hafen liegen haben, aber die Samosas hier sind der Hammer! Und es gibt sogar vegetarische (die findet man hier äußerst selten). Außerdem hat die Bar eine traumhafte Kulisse aus Sand, Palmen und gemütlichen Couches. Auch cool: Wir kommen ins Gespräch mit der Besitzerin eines Hausboots, welches im hier im Hafen liegt, und erfahren, dass dort 6 Personen Platz finden und sie es für 90$/Nacht auf Airbnb vermietet – perfekt für uns! Das werden wir uns sicher mal mieten, denn hier am Hafen ist es wunderschön. Es ergibt sich nur ein Problem: Wie kommen wir hier wieder weg? Am Strand entlang könnte man recht gut wieder nachhause spazieren, aber mittlerweile ist High Tide, also Flut, weshalb ein Strandspaziergang nicht mehr möglich ist. Die einzige Straße, die jetzt noch vom Hafen wegführt, führt erstmal eine Weile Richtung Landesinnere, durch mehrere Dörfer und erst dann gelangt man auf eine Straße, die wieder in Richtung Campus führt. Und Tuktuks gibt’s hier keine. Wir entschließen, erst einmal an der Straße entlang zu laufen und zu schauen, wie weit wir zu fuß kommen bzw. wann uns das erste Tuktuk über den Weg läuft (bzw. fährt). Glücklicherweise sammelt uns dann jedoch eine Familie, die mit ihrem PickUp vom Boat Yard Richtung Kilifi fährt, ein. Auf der Ladefläche ihres PickUps dürfen wir durch die Dörfer mitfahren, bis wir an eine Hauptstraße kommen. Dort lassen sie uns raus, aber von hier aus kennen wir auch den nicht mehr allzu langen Weg. Glück gehabt! Die Fahrt im PickUp war echt ganz lustig, wenn auch recht unbequem, aufgrund der holprigen Wege.
      Auf dem Markt stauben wir unterwegs noch ein wenig Obst und Gemüse ab und sind wieder einmal erstaunt, wie günstig das hier ist. Für umgerechnet 3,50€ bekommen wir:

      • 2 Kokosnüsse
      • 5 Orangen
      • 4 Bananen
      • 2 Avocados
      • 10 Tomaten
      • 2 Zwiebeln
      • 3 Limetten
      • 8 Kartoffeln
      • etwas Weißkraut

      Sonntag genießen wir die nächste Runde Pancakes und dann gönnen Valeria und ich uns den Pool Day im Mnarani Beach Club. Für 600 Schilling, also ca. 5€, pro Tag darf man die Poolanlage und den hoteleigenen Strand nutzen, bekommt Liegen, Polster und Handtücher und einen Sonnenschirm. Wir kommen jedoch nicht nur zum Baden, Sonnen und Entspannen, sondern aufgrund des guten WLANs auch zum Arbeiten hierher. Mit einem Mix aus Arbeit und Erholung lassen wir also die Woche ausklingen.



      • Woche 2. (Tag 13-19 | 16.-22.9.)

        Themen: WEIKE, Summer School, Sport, Kibaoni, international Dinner, Takaungu

        Diese Woche findet die Summer School statt! Dafür treffen wir am Montag noch ein paar letzte Vorbereitungen: die Räume werden vorbereitet, Präsentationen fertiggestellt und der Zeitplan noch einmal durchgegangen. Nachmittags treffen wir wieder die WEIKE-Women. Heute stellen sie sich uns vor, erzählen ein bisschen über ihr Leben, z. B. über ihre familiären Verhältnisse. Es wird zudem das weitere landwirtschaftliche Vorgehen diskutiert, wie man die Lage noch erweitern bzw. verbessern könnte und welche nächsten Investitionen nötig sind. Der WEIKE-Verein hat zum Zweck, Frauen in Kenya die Chance auf Bildung und Unabhängigkeit zu geben. Sie sollen dadurch die Möglichkeit bekommen, eigenständig zu arbeiten, Geld zu verdienen und auf eigenen Beinen zu stehen, um in Würde leben zu können. Deshalb wurde vom Verein in Mnarani ein Stück Land gepachtet, auf welchem die Frauen nun Landwirtschaft betreiben und die Ernte verkaufen können. Außerdem werden in Sissis Masterkursen in Karlsruhe jedes Jahr Informationsmaterialien erarbeitet, die nützliche Themen für den Alltag dieser Frauen behandeln, wie z. B. „Familienplanung“, „Nachhaltige Landwirtschaft“ oder auch das Thema „Sexuell übermittelte Infektionen“.


        Am Dienstag ist es dann soweit: Die Summer School startet! Sie dient dazu, Professoren, Studenten und Mitarbeitern der Pwani University die Inhalte unseres Studiengangs in Form von Präsentationen und Workshops näherzubringen und somit das Projekt der Etablierung eines ähnlichen Studiengangs an der PU voranzutreiben. Morgens halten Sissi und wir deutschen Studenten dazu verschiedene Präsentationen. Sissi leitet den Studiengang ein, Julien und ich geben einen konkreten Überblick über die Inhalte der einzelnen Kurse, Nero und Miriam bzw. Dennis und Greta geben einen detaillierten Einblick in durchgeführte Projekte im Studium und Valeria und Paul präsentieren die Attraktivität des Standorts Deutschland/BaWü/Karlsruhe als Studienort, um die Option des Austauschprogramms zwischen Kilifi und Karlsruhe ebenfalls zu fördern. Es gibt auch einige Präsentationen der PU-Teilnehmer, z. B. die Austauscherfahrungen von Timothy, der 2018 für ein Semester in Karlsruhe war, oder von einer Professorin für Kommunikationswissenschaften. Nach der Mittagspause – es gibt mal wieder ein wundervolles Buffet – führt Dominik die Studenten in die Welt der Videoaufnahme und -bearbeitung ein und es gibt einen kleinen Workshop in Gruppen dazu, der überaus positiv bei den Teilnehmern ankommt und super angenommen wird. Insgesamt gab es wirklich viele Teilnehmer, auch noch nach der Mittagspause und das Interesse an unserem Studiengang bzw. dem Workshop war enorm groß. Abends treffen wir uns noch auf ein Abschiedsessen, denn am nächsten Tag trennen sich unsere Wege. Mit einem schönen Abschluss geht dieser anstrengende, aber erfolgreiche Tag geht zu Ende.


        So langsam sehnen Julien und ich uns nach Sport! Julien entscheidet sich deshalb am Donnerstagmorgen für eine Jogging-Runde um den Sportplatz am Campus. Ich wollte ihn eigentlich begleiten, aber habe so schlecht geschlafen, dass ich so früh noch nicht aufstehen konnte. Der Muezzin der Moschee gegenüber vom Campus weckt uns täglich zwischen 4:30 Uhr und 5:00 Uhr mit seinem Gebet. Das kann durchaus ganz schön anstrengend sein. Naja, und später joggen geht auch nicht wirklich, weil es dann zu heiß wird. Selbst morgens um 9 kommt Julien äußerst erschöpft und mit knallrotem Kopf zurück. Die Sonne knallt schon jetzt! Ich entscheide mich deshalb für eine Alternative und mache auf unserer Terrasse im Schatten ein Fitness Workout.

        Mittags gehen wir nochmal zum Hafen. Die Samosas dort haben uns so gut geschmeckt und Julien möchte dort sein Angelglück versuchen. Ich darf mir sein Schnorchelequipment ausleihen und sehe wirklich ein paar wunderschöne Fische! Das macht Lust auf mehr. Wir treffen dort Robert, einen Kanadier, der seit mittlerweile 10 Jahren allein um die Welt segelt. Er erzählt uns viel von seiner Reise und es ist wirklich spannend und interessant, ihm zuzuhören! Währenddessen zupft es an Juliens Angel: Er hat tatsächlich etwas gefangen! Schon cool, aber enttäuschender Weise muss er feststellen, dass es eine Moräne ist, die sich in seiner Angelschnur verfangen hat und es gelingt ihm nicht, sie zu befreien. Nachdem er ihr dann die Qual erspart und den Kopf abgetrennt hat, beißt sie ihm mit letzter Kraft noch in den Finger. Aber halb so wild. Die Hinfahrt mit dem Tuk Tuk zum Hafen war nicht so empfehlenswert, denn der Weg zum Hafen ist überaus holprig. Deshalb lassen wir uns abends mit einem Boot auf die andere Seite des Creeks fahren, das kostet gerade einmal 500 Schilling und ist bei Sonnenuntergang echt ganz schön. Vom Ufer aus kann man dann gut zu Fuß zum Campus laufen.


        Abends hat Paula einige Leute zum Dinner eingeladen! Sie hat Fortunat und ihren Freund Denvas, die gemeinsam eine Juice Bar führen (mit übrigens super leckerem, frischen Saft aus puren Früchten), und Abraham, den sie auch an einem Shop in Kibaoni kennengelernt hat, eingeladen. Kibaoni ist der Platz direkt gegenüber vom Campus. Dort gibt es einen Markt mit vielen Ständen und Shops. Ziemlich praktisch für uns, so haben wir es nicht weit von zuhause, um das nötigste einzukaufen. Paula, Greta und Dennis kochen für uns leckere Pasta mit einer selbstgemachten Sauce aus Tomaten, Sardinen und Oliven. Für mich gibt’s sogar extra eine Version ohne Fisch J

        Den Freitag verbringen wir zunächst wieder recht produktiv: Lesen, Berichtschreiben und ein paar Reise- und Ausflugspläne schmieden. Abends begleite ich Julien noch zum Schuhmacher, dort hat er sich nämlich ein paar maßgeschneiderte Flip Flops aus Leder anfertigen lassen. Wir dürfen noch bei den letzten Zügen zuschauen, echt faszinierend. Der Schuhmacher erzählt uns, dass er bis zu 50 Paar in 6 Stunden schafft.


        Samstag machen wir mit Paul einen Tagesausflug nach Takaungu. Dort gibt es einen wunderschönen, einsamen Strand mit kristallklarem Wasser. Der perfekte Ort zum Entspannen. Mit Bier und Fritatas im Gepäck, die Valeria aus den Resten der Pasta von Donnerstag gemacht hat, machen wir uns mit dem Matatu auf den Weg nach Takaungu. Für Valeria und mich ist es die erste Matatu-Fahrt. Matatus sind Kleinbusse, die mit ca. 12 Sitzplätzen ausgestattet sind. Das heißt aber nicht, dass auch 12 Personen mitfahren. Meist sind es eher so 20. Es ist also äußerst eng, von Bein-, Arm- oder Kopffreiheit ist nur zu träumen. Sie fahren eine bestimmte Strecke (z. B. von Kilifi nach Mombasa) und sammeln unterwegs lauter Leute ein bzw. lassen sie raus, wo sie möchten. Das ist ziemlich anstrengend und auch recht gewöhnungsbedürftig, da meist noch jemand in der Tür steht und stehend mitfährt, das ist dann derjenige, der die Finanzen regelt bzw. die Leute auf der Straße ruft und sie auffordert mitzufahren. Das ist etwas, das mir auch sehr unangenehm an den Matatus auffällt. Hier in Kilifi fahren viele davon rum und alle schreien dich an und wollen dafür werben, dass du einsteigst. So ähnlich ist es auch mit den Bodaboda-Fahrern. Bodabodas sind Motorräder, die neben den Matatus und Tuk Tuks eine weitere Fortbewegungsmöglichkeit bieten. Hinter dem Fahrer finden mindestens 2, oft auch 3 Personen Platz. Eigentlich ist es uns zu heikel, mit diesen mitzufahren, da Motorräder ja nicht ungefährlich sind, man ohne Helm fährt und nie so ganz wissen kann, was für einen Fahrer man da erwischt. Manchmal ist es jedoch die einzige Art der Fortbewegung als bleibt uns nichts anderes übrig, genau wie mit dem Matatu für längere Strecken.

        Zurück zum Tagesausflug: Als wir dann nach einer aufregenden Fahrt im Matatu – da läuft übrigens auch immer richtig laute Musik, meistens Hip Hop – in Takaungu ankommen, werden wir sofort von mindestens 10 Bodabodas umzingelt, die uns zum Strand bringen wollen. Eigentlich mögen wir gar nicht so recht aufsteigen, da die Leute zum Teil wirklich sehr aufdringlich sind. Aber wir haben ja Paul J Er spricht für uns mit den Fahrern, handelt den Preis aus und kann auch einschätzen, welche von ihnen vertrauenswürdig sind. Das sind die zwei, die uns nun zum Strand bringen wirklich, wie wir später feststellen! Valeria und ich sagen unserem Fahrer extra noch, dass er „pole pole“ machen soll. Pole pole heißt so viel wie „immer mit der Ruhe“ oder „kein Stress, schön langsam“ und wird hier im Alltag häufig verwendet und vor allem gelebt. Er fährt wirklich langsam und vorsichtig und wir sind begeistert von der Fahrt. Wir fahren auf einem Sand-/ Schotterweg durch eine traumhafte Palmenlandschaft, quatschen ein wenig mit dem Fahrer und genießen die Aussicht und die Vorfreude auf den Strand. Die Vorfreude wird nicht getrübt - der Strand ist wirklich wunderschön!



        Sonntag ist wieder ein produktiver Tag. Er startet mal wieder mit Pancakes, danach ist Waschen angesagt: Puh, die Waschmaschine vermisse ich mittlerweile echt. Wenn man mal mehrere, und vor allem widerspenstigere, Sachen zu Waschen hat, ist das per Hand ganz schön anstrengend und zeitraubend. Ich kann Julien heute auch für ein Fitness Workout begeistern – zu zweit macht das auch gleich viel mehr Spaß J

        Eine aufregende und ereignisreiche Woche geht damit zu Ende. Ich muss sagen, dass ich einiges hier allein vermutlich nicht unbedingt machen würde, wie z. B. die Fahrt im Matatu oder auf dem Bodaboda. Hauptsächlich, weil ich nicht einschätzen kann, wem bzw. welchen Dingen ich hier vertrauen kann. Erneut bin ich so dankbar, dass Paul uns so sehr hilft und uns überall hin mitnimmt. Er nimmt uns das Missvertrauen und zeigt uns, dass alles halb so wild ist, wie wir denken. Und da wir wissen, dass wir ihm vertrauen können und dass er immer auf uns aufpasst, sehen wir so viel mehr von der Umgebung und den Menschen, das ist wirklich viel wert! Mit ihm gemeinsam sind wir immer sicher, das gibt einem im Alltag bzw. auf Ausflügen ein sicheres und gutes Gefühl!

        • Woche 3. (Tag 20-26 | 23.-29.9.)

          Themen: Keswahili, verschobener Vorlesungsbeginn, Essen & Drinks, WEIKE, Kontakt zu Briten

          Diese Woche starten endlich die Vorlesungen! Uns wurde zwar in den ersten zwei Wochen nicht langweilig, aber da wir ja zum Studieren hier sind, freuen wir uns jetzt schon, dass es endlich losgeht. Wir belegen insgesamt drei Kurse: Human Ressource Management, Marketing Management (beide im Studiengang Business Administration), und einen Keswahili-Sprachkurs. Die Vorlesungen finden – zumindest nach Plan – jeweils einmal wöchentlich von 17-20 Uhr statt. Der Sprachkurs findet zweimal wöchentlich ca. eine Stunde lang statt. Den macht Rukiya für uns, die wir bereits aus Deutschland kennen. Sie war zur Spring School mit Edith in Karlsruhe und hat dort mit uns einen Koch-Workshop gemacht. Sie ist wirklich nett und in ihren ersten Stunden dürfen wir schon sehr viel lernen, nämlich welche Vokale und Konsonanten es in der Sprache gibt, wie diese gesprochen werden, ein paar erste Grußformeln und ein paar Sätze für Smalltalk.

          Jambo, habari? Jina langu ni Lara. Ninatoka Ujerumani.
          Hallo, wie geht’s? Ich heiße Lara und ich komme aus Deutschland.

          Für uns stellt sich heraus, dass das Lesen der Sprache gar nicht so einfach ist, da es so viele verschiedene Aussprachen von Buchstaben gibt und die Laute zum Teil ganz anders gesprochen werden als bei uns. Ansonsten ist die Sprache jedoch recht einfach gestrickt, also lernen wir in Zukunft hoffentlich schnell J Rukiya macht wohl irgendwann im Rahmen des Sprachkurses auch noch einen Ausflug nach Momabsa mit uns. Sie lebt dort und lädt uns zu sich nach Hause für einen weiteren Kochkurs ein. Darauf sind wir schon sehr gespannt!

          Bei den normalen Vorlesungen, also Human Ressource Management und Marketing Management, stellen wir schnell fest, dass es wirklich so ist, wie Belinda es uns bereits im Vorhinein erzählt hatte: Man bekommt endlich die Ansage, dass es diese Woche losgeht, geht hoffnungs- und erwartungsvoll in den Vorlesungssaal – und trifft dort leider auf niemanden. Nach mehreren Telefonaten mit Edith und schließlich mit dem Dozenten, bekommen wir schließlich die Nachricht „Ah, eh ja… Ich habe ganz vergessen, euch zu informieren. Lasst uns nächste Woche starten“. Also geht’s doch wieder heim. Nichts mit Vorlesungen diese Woche.

          Belinda ist übrigens eine derjenigen, die letztes Jahr an unserer Stelle waren und ein Auslandssemester hier verbracht haben. Sie studiert auch im KMM-Master in Karlsruhe, einen Jahrgang über uns, und hat uns im Vorhinein mit ihren Erzählungen, Erfahrungen und Tipps gut auf die Zeit hier vorbereitet! Danke dafür an dieser Stelle J

          Bis auf die Swahili-Sprachkurse verläuft unsere Woche recht ruhig. Mir kommt das jedoch auch ganz gelegen, da ich diese Woche unter Magen-Darm-Problemen mit unangenehmen Krämpfen leide. Irgendwann musste das ja kommen – habe mich ehrlich gesagt schon gewundert, wie ich fast 3 Wochen ohne Probleme durchkam. Es ist auch nicht so dramatisch, trotzdem kuriere ich die Schmerzen in Ruhe aus. Die Ursache bleibt mir relativ unklar, aber vermutlich habe ich einfach irgendetwas gegessen, das ich nicht vertragen habe, bzw. mein Körper muss sich an die umgestellte Ernährung gewöhnen.

          Was hier oft Hauptbestandteil der Gerichte ist, sind Bohnen, Kartoffeln, Fisch, Kohl, Fleisch – vor allem Ziege und Hähnchen, ab und zu auch Rind –, dazu Reis oder Chapati, ein in der Pfanne zubereitetes, flaches Brot, welches dem indischen Naan ähnelt, nur fettiger. Generell fällt der indische Einfluss aufs Essen hier sehr stark auf. Was auch sehr ungewohnt ist, ist dass die Kenianer immer nur warme Mahlzeiten zu sich nehmen – morgens, mittags und abends. Außerdem sind alle Gerichte sehr fleischlastig, Vegetarier gibt es hier nicht. Der Salat, nach dem ich mich hier so sehne, besteht höchstens aus Tomaten und Zwiebeln – immer. Etwas anderes gibt’s nicht. Gut, dass wir oft auch zuhause kochen bzw. uns Essen zubereiten, sodass wir auch mal leichtere Mahlzeiten wie Obstsalat oder Toast mit Avocado zu uns nehmen.

          Wir probieren uns diese Woche aber auch an unseren ersten eigenen, selbstgemachten Samosas. Samosas sind ein typischer Snack als Vorspeise oder Beilage. Es handelt sich dabei um frittierte Teigtaschen, die hier meistens mit Rinderhackfleisch oder Erbsen gefüllt sind. Der Teig besteht lediglich aus Wasser, Mehl, etwas Öl oder Butter und ein paar Gewürzen. Kleine Teigkügelchen werden zu runden Kreisen ausgerollt, mit der Füllung belegt, zu einem Halbmond umgeklappt und dann am Rand verschlossen. Manchmal sind sie auch mit einer Mischung aus verschiedenem gebratenem Gemüse gefüllt. So probieren wir es auch – und werden nicht enttäuscht. Abgesehen von der nicht ganz perfekten Form, gelingen sie uns richtig gut und schmecken sehr lecker. Wir sind stolz auf unsere ersten Samosas!

          Wir schauen diese Woche auch mal wieder beim Grundstück vom WEIKE-Verein vorbei und stellen fest: Es geht voran! Die Frauen können die aufgebauten Tanks mittlerweile für die Bewässerung des Gemüses nutzen. Der Grundwasserbrunnen pumpt das Wasser per Solarenergie in 3 auf dem Grundstück verteilte Wassertanks, an die zurzeit noch manuell bedienbare Wasserschläuche zur Bewässerung der Pflanzen angebracht sind. Ziel für März nächsten Jahres ist es, automatisch geschaltete Bewässerungsrohre zu installieren, die von den Tanks zwischen die Pflanzen laufen und diese per Zeit- und Mengenschaltautomatik bewässern, sodass lediglich die Ernte von den Frauen übernommen werden muss. Die Frauen bauen mittlerweile schon viele Gemüsesorten, wie z. B. Tomaten, Auberginen oder das hier weit verbreitete Okra, an. Erste Ernteergebnisse konnten sie sogar schon auf dem Markt verkaufen. Außerdem arbeiten sie daran, den Zaun um das Grundstück herum zu verstärken, um es vor frei herumlaufenden Ziegen zu schützen, die sich am Gemüse bedienen.


          Wir lernen nun auch zwei Briten besser kennen, die im Rahmen ihrer Promotion bis Ende November ebenfalls zu Gast an der Pwani University sind. Kurz haben wir sie schon bei der Summer School getroffen, diese Woche waren wir mit ihnen im „Terrace“, um vor traumhafter Kulisse bei Sonnenuntergang ein paar Cocktails zu schlürfen. Ari und Jacob, so heißen die zwei, sind super sympathisch und witzig, wir haben mit ihnen einen echt lustigen Abend. Ari ist eigentlich gar keine Britin, sie kommt aus Barcelona, die beiden studieren bzw. arbeiten aber zusammen in England.

          Im Terrace gibt’s den leckeren, für Kenia typischen, Dawa Cocktail für unschlagbare 150 Schilling (ca. 1,35€) und er schmeckt hier richtig gut! Im Distant Relatives hatte ich schon einmal einen – schließlich muss ich nach Heidruns Abschiedsgeschenk den besten hier in der Stadt finden –, der war jedoch nicht ganz so gut. Heidrun ist eine Arbeitskollegin und gute Freundin von Mama. Sie und ihr Mann Wolfgang haben zu meinem Abschied etwas über Kenia recherchiert und den Dawa als „Nationalcocktail“ gefunden. Sie schenkten mir eine Box mit einer Karte, dem Rezept und der Geschichte zum Cocktail, und den entsprechenden Zutaten. Ich muss sagen, der Dawa ist hier eines meiner Lieblingsgetränke geworden. Vielleicht auch, weil oft noch Stoney Tangawizi reinkommt. Ein weiteres meiner Lieblingsgetränke hier. Das haben wir ja auch schon mal mit Gin gemischt. Schmeckt dann ähnlich wie Gin mit Ginger Beer. Der scharfe Ingwer lässt einen jedoch oftmals beim Einatmen während des Ansetzens am Glas husten. Das Bier hier ist auch nicht schlecht. Am wohl beliebtesten ist das kenianische Tusker, ein Lagerbier. Ich habe für mich jedoch eher das Tusker Cider entdeckt, ein süßer, fruchtiger Apfelcider.

          Am Wochenende unternehmen wir noch etwas mit Abdallah, da er dieses Wochenende in Kilifi ist. Wir treffen uns abends zu einem Spieleabend bei uns am Haus und bringen den Kenianern Uno bei. Sie sind sichtlich angetan von dem Spiel. Außerdem geht’s mal wieder an den Strand. Ein entspannter Ausklang dieser ruhigen Woche.


          • Woche 4. (Tag 27-33 | 30.9.-6.10.)

            Themen: tierische Mitbewohner, mögliche Krankheiten, erste Vorlesungen

            Diese Woche regnet es hier sehr viel – obwohl uns gesagt wurde, dass der Oktober heiß und trocken sei –, sodass wir nicht viel unternehmen können. Bei dem Wetter bin ich besonders froh, dass wir hier am Haus zu sechst wohnen und man somit immer in Gesellschaft ist. 

            Natürlich kann das WG-Leben aber auch manchmal anstrengend sein. Ich war vorher sehr gespannt, wie das wohl so klappt, wenn wir 24/7 aufeinanderhängen bzw. wie wir in einem Haushalt generell miteinander klarkommen, zumal vor der Abreise ja noch nicht feststand, wer in welches Appartement einzieht. Außerdem bin ich ja nun schon seit 2 Jahren aus dem WG-Leben raus und wohne in Karlsruhe allein in meiner 1-Zimmer-Wohnung. Na, hoffentlich geht das gut. Mit Julien wollte ich in Kenia ganz gern zusammenwohnen, da wir ja eh gut befreundet sind und ich in Karlsruhe schon 1 ½ Jahre mit ihm zusammen in einer WG gewohnt habe. Dort kamen wir immer gut miteinander aus und hatten eine coole WG-Zeit, weshalb ich mir da keine Sorgen gemacht habe, dass es hier nicht klappt. Die anderen kannte ich allerdings vorher nicht so gut. Valeria, Dennis und Greta studieren zwar seit 2 Semestern mit mir, jedoch habe ich sie nicht allzu sehr kennengelernt, eher nur oberflächlich. Blieb also zu hoffen, dass wir uns alle gut verstehen. Tatsächlich verstehen wir uns alle super und das Zusammenleben klappt unkompliziert und gesellig :)

            Neben den menschlichen Mitbewohnern haben wir innerhalb der ersten Wochen hier nun auch schon mehrere tierische in unserem Appartement entdeckt. Von Spinnen, Wespen, Schnecken, Ameisen, Tausend- und Hundertfüßern und natürlich einer Menge Mosquitos, über Frösche und Geckos bis hin zu Affen, Kühen und Katzen in unserem Garten ist alles dabei. Die Hundertfüßer sind gar nicht so ohne. Sie sind wohl weniger scheu, sondern eher „auf Angriff“ und können beißen, wenn man ihnen zu nahekommt. Das ist zwar nicht gefährlich, aber äußerst unangenehm. Wir konnten jedoch bisher beide, die wir im Haus gefunden haben, souverän besiegen. Geckos haben wir echt eine Menge, die sind uns jedoch auch ganz lieb, denn erstens sind sie niedlich und zweitens sind ihre Beute die fiesen Mosquitos und andere Insekten, die wir hier nicht unbedingt brauchen.



            Da wir uns trotz umfassender Vorsichtsmaßnahmen wie Mückenspray und Schlafen unter’m Mosquito-Netz nicht gänzlich gegen die fiesen Mücken, die sämtliche Krankheiten übertragen können, schützen können, entscheiden wir uns diese Woche, aus Vorsorge mal zum Krankenhaus zu gehen und einen Bluttest auf Malaria durchzuführen. Wir nehmen zwar die Prophylaxe, jedoch verhindert diese nicht, dass die Erreger ins Blut gelangen bzw. tötet diese nicht ab – sie sorgt nur dafür, dass die Krankheit nicht ausbricht. Außerdem gibt es seltene Arten von Malaria-Erregern, die mit der Prophylaxe nicht abgedeckt werden können. Wenn man Malaria-Erreger frühzeitig (also schon vor Ausbruch der Krankheit) im Blut feststellt, kann man die Erreger durch Behandlung abtöten und so einen Krankheitsfall ausschließen. Malaria kann nämlich, sobald die Erreger im Blut sind, innerhalb von 2-4 Wochen später noch ausbrechen. Deshalb wollen wir regelmäßig Bluttests durchführen, um rechtzeitig handeln zu können. Die Tests waren bei uns allen negativ.

            Worüber wir auch nachgedacht haben, ist ein Test auf Dengue-Fieber. Dieser kostet jedoch umgerechnet ca. 16€ und ist es dann doch nicht so wirklich wert. Dengue-Erreger können nämlich gar nicht bekämpft werden – weder vor noch nach Ausbruch der Krankheit. Wenn man sich mit Dengue-Fieber infiziert, hilft nichts außer abwarten und die Symptome (Fieber, Kopfweh, Gliederschmerzen, …) zu behandeln. Das heißt, selbst wenn Dengue-Erreger in unserem Blut festgestellt würden, könnten wir mit dieser Information nicht viel anfangen, außer, dass wir wissen würden, dass die Krankheit bald ausbrechen kann. Zudem ist das Dengue-Risiko in der Region hier äußerst gering.

            Ähnlich wie beim Dengue-Fieber ist es auch mit anderen Fieber-Arten, wie der Schlafkrankheit, oder dem Chinguya-Fieber. Auch diese sind äußerst selten und man kann sie nicht großartig behandeln. Gegen viele andere Krankheiten haben wir uns im Vorhinein impfen lassen, wie z. B. Hepatitis A und B, Tetanus, Tollwut usw. Wir fühlen uns also insgesamt recht sicher, vor allem, nachdem nun der erste Monat vergangen ist und wir bis auf ein paar kleinere Magen-Darm-Beschwerden topfit sind. Trotzdem muss man hier natürlich vorsichtig sein, das wissen wir und vernachlässigen wir auch nicht, vor allem auf öffentlichen Toiletten, mit dem Leitungswasser oder Streetfood.

            Bezüglich unseres Studiums hier vor Ort geht es diese Woche immerhin einen Schritt in Richtung Start: Die Marketing-Vorlesung findet wie geplant statt und Prof. Mwakubo leitet uns in die Welt des Marketings ein. Dabei sehen wir viele Parallelen zu Inhalten, wie sie in Deutschland in diesem Bereich gelehrt werden – wir erinnern uns z. B. an die Bedürfnispyramide nach Maslow, die wir im Fach Wirtschaftlichkeit bereits kennengelernt haben – aber auch erste Ansätze, die uns schnell begreifen lassen, dass die wirtschaftliche Situation hier komplett anders ist als bei uns. Er erzählt z. B., dass er in Ukundu ein Haus gebaut und versucht hat, dieses zu vermieten – anfangs für 50.000 KSH pro Monat. Als er keine Mieter gefunden hat, hat er es halt für 25.000 KSH angeboten und schon sind ihm die Leute im wahrsten Sinne die Bude eingerannt. Bürokratie? Steuern? Gibt’s hier nicht. In Deutschland unvorstellbar, dass jemand einfach irgendwo mal eben ein Haus hinbaut und es nach eigenem Ermessen vermietet. Was wir zu Beginn der Marketing-Vorlesung am Dienstag leider auch feststellen müssen, als wir einen der einheimischen Studenten treffen, ist, dass scheinbar am Montag zuvor die Vorlesung „Human Ressource Management“ stattfand, die eigentlich für freitags geplant war. Na toll, die haben wir nun also verpasst. Scheinbar wurde der Plan geändert und wir wurden nicht informiert. Ab jetzt sind wir aber zuversichtlich, dass die Vorlesungen regelmäßig stattfinden und wir über Änderungen informiert werden, da wir in die Semestergruppe auf WhatsApp aufgenommen werden, die zum Informationsaustausch dient.

            Der Studiengang HTM (Hospitality and Tourism Management) richtet diese Woche auf dem Campus ein Lunch für 300 Schilling pro Person aus. Wir fragen uns, was sich dahinter verbirgt und gehen neugierig – und natürlich hungrig – hin. Etwas verdutzt sind wir dann, als wir in einen Saal (inmitten der Vorlesungsräume des Campus, wohl bemerkt) kommen, der feinstens dekoriert und gedeckt ist. Die „Kellner“, HTM-Studenten, sind ebenfalls vornehm gekleidet und führen uns zu einem Tisch. Uns erwartet für diese 300 Schilling ein 3-Gänge-Menü vom Feinsten mit vornehmstem Service. Damit hatten wir jetzt irgendwie nicht gerechnet, sind jedoch äußerst positiv überrascht, denn das Essen ist ausgesprochen lecker. So langsam wird uns der Rahmen dieses Lunchs auch etwas klarer, nämlich dass dies eine Übung, vielleicht auch eine Art Prüfung, für die Studenten ist – macht ja auch Sinn bei dem Studiengang. Können die ruhig öfter machen, denken wir uns. Ein 3-Gänge-Menü für 2,70€ kann man sich schon mal zum Mittag gönnen. Für jeden Gang gab es zwei Optionen. Meine Vorspeise war eine Butternut-Kürbissuppe, dazu ein kleines Hefebrot (was ich übrigens super fand, weil man hier sowas nur selten, vor allem von guter Qualität, bekommt). Als Hauptspeise hatte ich paniertes Hähnchenfleisch mit Kartoffeln und Spinat – auch mega lecker, vor allem das Fleisch. Zur Nachspeise gab’s dann frittierte Banane in einer Vanillesauce, dazu frischen Maracujasaft. Insgesamt also ein gelungenes Menü, welches unsere Ansprüche durchaus übersteigt.

            Ende der Woche kommt Jenny, eine Freundin von Valeria, bei uns in Kilifi an. Sie besucht Valeria hier für zwei Wochen und wird uns auch auf unserer gemeinsamen Safari begleiten. Ich bin gespannt, sie in nächster Zeit besser kennenzulernen!

            • Woche 5. (Tag 34-40 | 7.10.-13.10.)

              Themen: Vorlesungen, nationaler Feiertag, Kontakt mit Briten

              Wow, wir sind begeistert! Uni-technisch läuft diese Woche alles nach Plan. Swahili-Sprachkurs am Montag und Freitag, Vorlesungen Montag- und Dienstagabend. Die Vorlesung Human Ressource Management gefällt mir inhaltlich etwas besser als die des Marketing Managements, da mich hier mehr neue Inhalte erwarten, die ich noch nicht so gut kenne. In Sachen Personalmanagement und Recruiting kenne ich mich überhaupt nicht aus, deshalb ist alles, was wir dort lernen, neu für mich und äußerst interessant. Auch in dieser Vorlesung stellen wir schnell grundlegende Unterschiede zu Deutschland kennen, z. B. das Problem AIDS, welches das Personalmanagement hier in Kenia enorm beeinflusst, während es bei uns in Deutschland kein großes Thema ist. Auch der Unterschied an Fachkräftemangel bzw. -überschuss ist erkennbar, zum Beispiel bei Lehrern – die gibt es hier im Überschuss, während sie in Deutschland äußerst gefragt sind.

              Am Donnerstag dieser Woche ist ein nationaler Feiertag! Es handelt sich dabei um den „Moi Day“, zu Ehren des früheren Präsidenten Daniel arap Moi. Und naja, wie es sich für einen Feiertag in einem tropischen Land gehört, verbringen wir ihn an Pool und Strand. Diesmal sind wir zu Gast bei den Briten, mit denen wir übrigens immer mehr im Kontakt stehen und mit denen wir viel gemeinsam unternehmen. Wir verstehen uns wirklich super gut mit ihnen, sie sind sehr witzig und gesellig und wir schwimmen auf einer Wellenlänge. Ari und Jacob kommen während ihres Aufenthalts in Kilifi (September bis Ende November) bei der ihnen vorgesetzten Professorin unter. Sie und ihr Mann haben ein traumhaft schönes, riesiges Anliegen, direkt am Baobab Beach, und Ari und Jacob dürfen dort in einer wundervollen, offen geschnittenen und super ausgestatteten Dachwohnung leben. In dem großen Garten, der mit Palmen, Sukkulenten und anderen tropischen Pflanzen bestückt ist, gibt es natürlich auch einen Pool. Außerdem haben sie 3 knuffige Hunde, mit denen wir uns auch viel beschäftigen.

              Kulinarisch gibt es diese Woche zwei Highlights: Zum einen hat uns Jenny, Valerias Freundin, 2 kg Käse mitgebracht!!! Das ist der Hammer! Deshalb gibt’s natürlich erstmal Spaghetti mit Tomatensauce und Parmesan – und weiteren Käse in jeglicher Form zwischendurch. Zudem sind wir diese Woche am Boat Yard zum Spare Ribs essen. Für 800 Schilling gibt’s Pommes und Rippchen an einer mega leckeren Barbecue Sauce! Den vergleichsweise teuren Preis war’s auf jeden Fall wert. Die Rippchen sind super lecker und zart und die Knochen sind sehr gut bestückt.

              Mit den Briten Freunden wir uns mittlerweile richtig gut an. Besonders diese Woche unternehmen wir viel mit ihnen: Spieleabend am Montag, ein Feierabendbier im „Nautilus“ am Dienstag, Ribs & Chips am Boat Yard am Mittwoch, Pool & Beach Day am Donnerstag und ein gemeinsames Abendessen am Samstag. Apropos gemeinsames Abendessen am Samstag: Julien hat Fische gefangen!!! Er hat es hier in Kilifi schon öfter am Ufer versucht, bei einer Dhow-Tour am Samstagmorgen gelingt es ihm endlich: Gleich 6 Fische, darunter Red Snaper und Parrot Fish, hat er am Haken! Da ich ja nicht gerade fischbegeistert bin und wir gar nicht wissen, wohin mit der ganzen Beute, laden wir Ari, Jacob, Dennis, Greta, Paula und Bongani (Paulas Freund) zum gemeinsamen Abendessen ein. Glückwunsch, Julien!

              Gegen Ende der kommt Matze, mein Freund, kommt zu Besuch! Matze kommt ziemlich erschöpft von der Reise, aber fröhlich in Kenia an – Karibu sana Kenya!

              Es regnet leider den gesamten Vormittag und Mittag, sodass wir erstmal zuhause bleiben und dann am Nachmittag entscheiden, noch ein wenig durch die Straßen von Kilifi zu schlendern und Matze die Gegend zu zeigen. Am späten Nachmittag kommt sogar noch ein wenig Sonne raus, sodass wir zum Baobab Beach spazieren und an der Beach Bar dort ein Stoney genießen.


              Abends kochen wir alle – Valeria, Julien, Jenny, Matze und ich – gemeinsam und für Matze gibt’s die erste kulinarische Ladung Kenia: selbstgemachte Veggie-Samosas und Pilau mit Hühnchen.

              • Woche 6. (Tag 41-47 | 14.10.-20.10.)

                Themen: Safari (Tsavo West, Amboseli, Tsavo East), Sansibar

                Diese Woche gehen wir alle (Greta, Dennis, Paula, ihr Freund Bongani, Valeria, Jenny, Julien, Matze und ich) auf eine Safari! Dazu sind wir mit James, dem Tourorganisator, den uns Belinda empfohlen hat, unterwegs. Er ist wirklich super organisiert, sympathisch, zuverlässig, äußerst witzig, zuvorkommend und macht seinen Job als Tourguide und -organisator hervorragend!

                Wir sind insgesamt vier Safari-Tage mit drei Übernachtungen unterwegs und reisen durch drei verschiedene Nationalparks (Tsavo West, Amboseli, Tsavo East). Zuerst führt uns die Reise nach Tsavo West, der sich besonders durch seine atemberaubende und abwechslungsreiche Landschaft auszeichnet. Bereits auf dem Weg dorthin begegnen wir Zebras, Affen und Elefanten am Straßenrand, denn der Highway und eine parallellaufende Zugstrecke trennen grenzenlos die Parks Tsavo West und East. Die Landschaft allein ist schon atemberaubend, dir rote Erde, die grünen Pflanzen und der blauweiße Himmel stehen im perfekten Kontrast zueinander und geben ein wunderschönes Bild ab. Das coole an unseren Vans ist: Die Dächer lassen sich nach oben hin öffnen, sodass man aufstehen und stehend durch den Park fahren kann. Da die Geschwindigkeit hier eh auf 40 km/h beschränkt ist und man meist sogar langsamer fährt, um nach Tieren Ausschau halten zu können, lässt sich die Fahrt auch angenehm im Stehen aushalten. Es ist sogar ein richtig gutes Gefühl, im Van zu stehen, sich den frischen Wind um die Nase wehen zu lassen, Landschaft und Tiere „hautnah“, ohne störende Glasscheibe zu beobachten und die 360°-Sicht zu genießen.

                Auf dem Weg zur Lodge halten wir noch an einer Stelle des Parks, an der man aussteigen und begleitet von einem Ranger einen Rundgang durch die „Mzima Springs“ machen darf. Bereits am Parkplatz hüpfen Äffchen vor unseren Füßen. Warum der Ranger? Naja, auch wenn wir uns hier in einem Bereich befinden, in dem sich die Tiere normalerweise nicht aufhalten – es gibt keine Zäune und Nilpferde, Krokodile und Schlangen sind durchaus in der Umgebung. Der Spaziergang führt uns zu einem wunderschön gelegenen Wasserloch, in dem Hippos leben, außerdem an einem kleinen Fluss entlang, an dem wir kleine Krokodile sehen und zu einem „Unterwasseraussichtspunkt“, von dem aus man die in einem See schwimmenden Fische beobachten kann.

                Der Amboseli Nationalpark hat eine ganz besondere Atmosphäre, da er am Fuße des Kilimandscharo liegt, dem größten Berg Afrikas mit einer Höhe von fast 6.000 m, der zwar in Tansania liegt, jedoch so nah an der Grenze zu Kenia, dass man im Amboseli Park die Tiere vor dem Kilimandscharo beobachten kann und jeder Zeit einen Blick auf den beeindruckenden, riesigen Berg hat. Außerdem ist der Park im Vergleich zu Tsavo äußerst klein (ca. 400 km²) und hat deshalb eine recht hohe Dichte an Tieren. Die big five sind hier alle zuhause, zudem etliche Antilopen, Nilpferde, Giraffen, Zebras – eigentlich alles, was man sich so vorstellen kann. In diesen Park führt unsere Reise am zweiten Safari-Tag.

                Die Reise nach Tsavo East dauert für unseren Geschmack echt zu lang. Ca. 5 Stunden verbringen wir nur auf dem Highway bzw. noch schlimmer: auf einer überaus holprigen Offroad-Straße. Leider haben wir mit unserem Aufenthalt in Tsavo East etwas Pech. In den letzten Wochen gab es in ganz Kenia, auch in den Nationalparks, heftige Regenfälle, was die Tiere zum einen von viel Aktivität abhält, da bis auf Hippos fast alle den Regen meiden, zum anderen haben es die Tiere nicht nötig, zu großen Wasserlöchern zu wandern, um zu trinken, da durch den Regen auch kleinere Wasserstellen fast überall im Park zu finden sind und den Tieren völlig ausreichen. Diese mangelnde Aktivität macht es extrem schwer, die Tiere zu finden. Aufgrund dieser Wetterflaute und des vielen Regens (es regnet nun auch tagsüber während unserer Safari) sehen wir leider nicht viel Neues in Tsavo East, obwohl dieser Park besonders für seine vielfältigen und vielfach auftretenden Tiere bekannt ist. Die Chance auf Wildkatzen sei hier besonders hoch. Bis zum Ende hoffe ich immer noch auf Leoparden, die fehlen mir nämlich noch unter den big five. Leider haben wir kein Glück.

                Trotzdem sehen wir noch einmal ein paar Elefanten, Antilopen, Zebras, Warzenschweine, viele schöne Vögel – und am Ende sogar noch zwei Krokodile.

                Hier endet nun unsere anstrengende, aber äußerst aufregende, spannende und ereignisreiche Safari. Es war eine unglaubliche Reise, mit so vielen Eindrücken und Erlebnissen, die ich so schnell sicher nicht vergessen werde.

                Kaum zurück in Kilifi, heißt es schon wieder Koffer umpacken, denn bevor Matze zurück nach Deutschland reist, fahren wir noch ein paar Tage nach Sansibar. Wir sind ein wenig aufgeregt, ob alles so klappt, wie wir uns das vorstellen. Schließlich müssen wir ja nochmal in ein anderes Land einreisen und hoffen, dass transfer- und ausflugtechnisch alles so klappt, wie wir es vorher gebucht haben. Auf Sansibar angekommen, funktioniert alles wunderbar und wir werden von der Trauminsel wirklich nicht enttäuscht. Hier kann man es wirklich aushalten, wir sind im Paradies angekommen!



                • Woche 7. (Tag 48-54 | 21.10.-27.10.)

                  Themen: Hausboot Kilifi, Arabuko Sokoke Rainforest, Hell’s Kitchen

                  In Kilifi wieder angekommen bereiten wir uns auf den nächsten Programmpunkt vor: Am Boat Yard hier in Kilifi liegt ein hübsches, kleines Hausboot, in dem insgesamt sechs Personen einen Schlafplatz finden. Wir haben dieses Hausboot für zwei Nächte gemietet und teilen uns in zwei Gruppen auf: In der ersten Nacht bleiben Julien, Valeria, Ari, Jacob, Matze und ich dort – in der zweiten Nacht Ari, Jacob, Paula, Bongani, Greta und Dennis. Mit Drinks und Lebensmitteln im Gepäck werden wir mit einem kleinen Boot von der Kilif-Seite des Creeks zum Haus gefahren und sind direkt begeistert, als wir ankommen. Es ist wirklich sehr urig und gemütlich und auf der Terrasse finden wir alle gemeinsam Platz, sodass wir am zweiten Tag in der großen Gruppe einen gemeinsamen Tag am Hausboot verbringen können.

                  Es wird viel geschnorchelt, geschwommen, gespielt und geangelt – und das sogar mit Erfolg! Bereits nach 10 Minuten Angeln hat Matze den ersten Fisch am Haken! Es handelt sich um einen Hornhecht. Wir haben eine echt schöne und lustige Zeit auf dem Hausboot, versorgen uns zwischendurch mit Snacks am Boat Yard, spielen Gesellschaftsspiele und genießen das überwiegend gute Wetter im Meer.

                  Ein letzter Ausflug steht noch an, bevor es für Matze wieder Richtung Heimat geht: Ein Tagesausflug in den Arabuko Sokoke Rainforest und zur sogenannten Hell’s Kitchen in Marafa, nahe Malindi. Im Regenwald gibt es unzählige Vögel und Schmetterlinge zu beobachten, außerdem Affen, Elefanten und sogar Büffel, die man allerdings nur selten zu Gesicht bekommt. Auch für diesen Wald bekannt, sind die sogenannten Elephant Shrews (zu Deutsch Rüsselspringer). Ihren englischen Namen verdanken die kleinen Mäuse ihrer rüsselähnlichen Nase, die an einen Elefanten erinnern lässt. Leider bekommen wir sie während unserer Wanderung nicht zu Gesicht. Wir sehen jedoch viele seltene, schöne Vögel und die Leute, die uns begleiten, können uns viel über die Natur des Waldes erzählen.

                  Wir müssen jedoch auch feststellen, dass das Klima in so einem Regenwald ganz schön anstrengend ist. Schnell fangen wir an zu schwitzen und kommen aus dem Schweiß nicht mehr heraus. Die Luftfeuchtigkeit ist enorm hoch und wir sind alle etwas erleichtert, als wir dann von einem Jeep abgeholt und zurück zum Eingang gefahren werden, anstatt dorthin zu gehen.


                  Nach der Wanderung durch den Regenwald geht es noch einmal 1 ½ Stunden weiter nach Marafa, bei Malindi. Dort besichtigen wir eine Art kleinen Canyon – ein Loch in der Erde, welches sich durch Regen und Wind gebildet hat und noch heute immer weiter ausbreitet. Unser Guide dort erzählt uns, dass sie jedes Jahr Veränderungen der Umgebung wahrnehmen und den Rand oberhalb des Canyons bepflanzen müssen, um zu verhindern, dass er noch größer wird – schließlich ist die Umgebung drumherum zum Teil bebaut und bewohnt. Die Pflanzen schützen das Loch zum einen vor dem Wind, zum anderen nehmen sie das Regenwasser auf und halten so weitere Erdrutsche ab.

                  Er erzählt uns auch, dass zu heißen, trockenen Zeiten unten im Loch Temperatur zwischen 40 und 50° entstehen, weshalb sie diesen Ort „Hell’s Kitchen“ nennen. Die Landschaft ist atemberaubend und beeindruckt uns wirklich sehr.


                  • Woche 8. (Tag 55-61 | 28.10.-3.11.)

                    Themen: Starkregen, Aris Vergiftung am Fuß

                    Nach diesen zwei Wochen Power-Programm lassen wir es diese Woche erst einmal langsam angehen – pole pole. Zwar fällt die Vorlesung am Montag mal wieder aus, ansonsten widmen wir uns allerdings erstmal wieder unserem Studium hier und unternehmen nur kleinere Strandbesuche am Nachmittag oder Wochenende. So entdecken wir zum Beispiel an einem Nachmittag den „Summer Beach“, der recht nah am Campus liegt. Das Wasser im Creek ist aufgrund der heftigen Regenfälle in den letzten Wochen recht trüb und bräunlich – das Baden macht also nicht so viel Spaß und an Schnorcheln ist gar nicht zu denken, da man nicht viel sehen kann. Das finden wir echt schade, vor allem, weil das Wasser jetzt schon seit Wochen so aussieht. Der Starkregen im Landesinneren spült über den Sabaki River viel Matsch und Dreck ins Meer – daher die Verschmutzung. Zur Abkühlung an heißen Nachmittagen reicht es trotzdem.

                    Als wir uns am Samstag mal wieder für einen Strandtag im Mnarani Club Hotel entscheiden, nimmt dieser Tag eine unangenehme Wendung: Ari tritt im Wasser auf irgendetwas, das sich für sie zunächst nur wie ein Stein anfühlt – schnell verspürt sie jedoch heftige Schmerzen im Fuß. Sie hüpft aus dem Wasser, wir sehen eine kleine Schnittwunde in ihrem Fuß, sieht aus als sei sie in einen Seeigel oder ähnliches getreten, Stacheln kann man jedoch nicht sehen. Wir desinfizieren den Fuß und das Personal bringt ihr Eis, jedoch werden die Folgen immer schlimmer: Ihr Fuß färbt sich blaugrün und schwillt schnell unnormal stark an. Sie entscheidet sich, ins Krankenhaus zu gehen. Nach 2 Stunden Warten wird sie kurz untersucht und dann sogar ins Krankenhaus nach Mombasa verwiesen, da man ihr dort besser helfen könne. Auf dem Weg nach Mombasa schwillt mittlerweile ihr Unterschenkel ebenfalls an. In Mombasa können die Ärzte nicht definieren, was die Ursache gewesen sein könnte, aber sie sind sich sicher, dass das kein herkömmlicher Seeigel war, sondern etwas Toxisches. Sie handeln schnell, spritzen ihr Cortison und verabreichen ihr Schmerzmittel. Sie verbringt nun erstmal die Zeit zuhause im Bett, denn an Gehen kann sie gar nicht denken. Wow, wie schnell so ein Strandtag dich lahmlegen kann.

                    Ansonsten ist diese Woche wirklich recht unspektakulär, da wir wie gesagt auch alle erstmal eine Pause von den letzten zwei Wochen brauchten – etwas Ruhe im Alltag tut uns allen gut. Wir veranstalten noch ein kleines Abschiedsabendessen mit Bongani, der seine letzten Tage hier in Kilifi verbringt, bevor er zurück nach Mosambik fliegt. Es war wirklich cool, ihn kennenzulernen. Er hat eine sehr sympathische und offene Art und man merkt ihm die afrikanische Gelassenheit und den Hakuna-Matata-Lifestyle deutlich an. Manchmal denke ich, davon könnten wir uns in unserem stressigen und hektischen Alltag in Deutschland auch mal eine Scheibe abschneiden!


                    • Woche 9. (Tag 62-68 | 4.11.-10.11.)

                      Themen: Wasserrohrbruch, Wasserversorgung und –hygiene, Watamu

                      Ein Wasserrohrbruch in unserem Haus – so beginnt diese Woche für uns. Spät abends läuft das Wasser auf einmal die Treppe herunter, die Pfütze reicht in Kürze bis ins Wohnzimmer, Valerias Zimmer oben steht schon unter Wasser. Schnell versuchen wir, einen Mitarbeiter zu erreichen, der uns erst einmal den Haupthahn abdreht – denn wo das geht, wissen wir leider nicht und können auch nichts finden. Nach einiger Zeit verzweifelter Suche finden wir dann endlich jemanden. Er stellt uns das Wasser ab – mehr kann er heut Abend nicht mehr für uns tun, verspricht uns jedoch, dass morgen jemand kommt, um es zu reparieren. Wir bemerken dann, dass die Stelle, an der das Rohr gebrochen ist, scheinbar schon einmal gerissen war – und dann mit einem gaffaartigen Tape gefixt wurde. Echt jetzt?! Wir erwarten uns also nicht allzu viel von der „Reparatur“, denken aber auch nicht so viel darüber nach, denn wir sind nun erst einmal eine Weile damit beschäftigt, das Wasser aus unserem Haus zu schaffen.

                      Auf das Wasser eine Zeit lang zu verzichten, sind wir ja schon gewöhnt, das tun wir nämlich öfter. Wir lernen hier so richtig, den selbstverständlichen und hygienischen Zugriff auf Wasser in Deutschland zu schätzen. Die Sauberkeit des Wassers ist nämlich der nächste Aspekt. Das Wasser aus den Leitungen hier kann nicht einfach getrunken werden. Abgekocht verwenden wir es zum Kochen, für Kaffee oder Tee – aber pur aus der Leitung sollte man es nicht verzehren. Auch daran mussten wir uns erst einmal gewöhnen, schließlich trinken wir alle in Karlsruhe nur Hahnwasser.

                      Tatsächlich kommt dann jedoch am nächsten Tag jemand und umwickelt das Rohr erneut mit einem Gummiband. Wenigstens entstehen so keine ewig langen Bauarbeiten in unserem Appartement während unseres Aufenthalts und das Wasser funktioniert wieder einigermaßen, also soll es uns recht sein. Für die nächsten Gäste in diesem Haus würden wir uns trotzdem Wünschen, dass sie die Leitungen erneuern, das ist hier dringend notwendig. Anfang der Woche nimmt die Schwellung an Aris Bein weiter zu – mittlerweile erreicht sie ihren Oberschenkel. Ari verbringt die Zeit nur noch damit, im Bett zu liegen – mehr geht nicht. Langsam macht sie sich ernsthafte Sorgen, die Bilder, die sie uns sendet sind erschreckend: Ihr Bein sieht aus wie das Plastikbein einer Puppe, ihre Haut ist komplett gestrafft und vom Zeh bis zum Oberschenkel ist alles angeschwollen. Doch das war wohl der notwendige Höhepunkt, damit die Schwellung von nun an zurückgeht. Mitte der Woche ist die Schwellung schon so weit zurückgegangen, dass sie wieder anfangen kann, zu gehen – am Wochenende kann sie uns sogar nach Watamu begleiten.

                      Wir erfahren diese Woche in den Vorlesungen, dass wir nächste Woche zwei midterm exams, also Zwischenprüfungen, schreiben. Was für eine zeitnahe Ankündigung – jetzt, wo wir den Wochenendausflug nach Watamu bereits geplant haben. Also gilt diese Woche viel Lernen, bevor wir uns am Wochenende auf einen Ausflug nach Watamu begeben.

                      Watamu ist ein Ort nördlich von Kilifi, kurz vor Malindi, ebenfalls an der Küste und deutlich touristischer als Kilifi, was wir schnell bemerken. Die Einheimischen sind an Weiße gewöhnt, die Stadt lebt förmlich vom Tourismus. Die Straßen sind voll mit Shops, in denen man Accessoires und Mitbringsel kaufen kann und die Restaurants sind nicht so einfach wie in Kilifi, hier ist alles etwas weiter entwickelt und „aufgehübscht“. Die meisten Touristen hier kommen aus Italien, was sich ebenfalls im ersten Eindruck wiederspiegelt: Die Locals sprechen Italienisch, die Restaurants und Shops tragen italienische Namen, viele Restaurants bieten italienische Gerichte. Dieser Touristentrubel strengt uns ein wenig an, alles ist irgendwie hektischer als in Kilifi und jeder will uns eine Bootstour oder Kitsch verkaufen.

                      Watamu ist außerdem bekannt für das dort gelegene Marine Reserve, also eine Art Nationalpark im Wasser. Hier werden Meeresbewohner vor dem Fischen oder ähnlichem geschützt, wodurch eine atemberaubende Unterwasserwelt entsteht. Nicht nur diese Richtlinien schützen die zahlreichen Lebewesen hier, auch ein natürliches Riff, welches das Reservat von der Hochsee trennt, hält große Raubfische davon ab, in das in Strandnähe gelegene Reservat zu gelangen. Eines unserer Highlights an diesem Wochenende (oder wohl während unserer gesamten Zeit in Kenia) ist deshalb eine „Blue Safari“ durch dieses Marine Reserve.

                      Neben Schlendern am Strand und Bummeln durch die Innenstadt von Watamu, die mit kleinen Shops und Ständen lockt, in denen man nette Kleinigkeiten kaufen kann, steht noch eine Kanutour durch den Mida Creek auf dem Programm. Der Mida Creek ist eine Meeresbucht, die in den Arabuko Sokoke Forest hineinragt. Diese Bucht ist bewachsen von vielen Mangrovenbäumen, die tatsächlich im Wasser stehen. Bei Flut sind sie zum Teil fast komplett mit Wasser bedeckt, bei Ebbe ragen ihre Stämme aus dem Wasser. Ari, Jacob, Valeria und ich machen einen Ausflug zum Creek und landen bei der Watamu Marine Association. Diese Assoziation betreibt Touristenaktivitäten wie Kanutouren und Wanderungen durch den Creek und fördert mit den Einnahmen Kinder, die von zuhause aus keine finanziellen Mittel für eine Chance auf Bildung haben. Also freuen wir uns umso mehr, dass wir mit unserem Ausflug hier den Kindern der Umgebung helfen können – hoffentlich. Mit insgesamt zwei Kanus, die jeweils von einem Mitarbeiter der Assoziation gesteuert werden, fahren wir auf dem Wasser durch den schönen Mangrovenwald, sehen dabei viele Vögel und machen einen kurzen Halt auf einer winzigen, einsamen Insel, die von aus Korallen entstandenem, feinem, weißem Sand bedeckt ist. Wir dürfen außerdem auf einer wackeligen und nicht 100% vertrauenswürdigen Holz-Hängebrücke einen Teil des Creeks bzw. Waldes überqueren. Diese Brücke haben die Menschen einst gebaut, um in dem dicht bewachsenen Wald von A nach B zu kommen, da das Gehen durch die Bäume durchaus anstrengend war. Da sie die Natur jedoch belassen wollten, haben sie schlichtweg eine Brücke entwickelt, die durch die Baumkronen führt.


                      • Woche 10. (Tag 69-75 | 11.11.-17.11.)

                        Themen: Midterm exams, Haushalt, Geburtstagswochenende in Diani Beach

                        Diese Woche startet mit den zwei midterm exams in den Fächern Human Ressource Management und Marketing Management – fleißig lernen wir tagsüber, abends schreiben wir die Tests. Wir können sie schwer einschätzen, denken jedoch, dass wir sie ganz ordentlich gemeistert haben. Beide Tests sind sehr unterschiedlich: Während wir in HRM ein Fallbeispiel bekommen, auf welches wir unser theoretisches Wissen anwenden müssen, werden in MM die Inhalte eher stumpf abgefragt.

                        Ab Mittwoch ist unsere Woche dann jedoch unitechnisch wieder etwas entspannter, allerdings nervt uns der Regen ziemlich. Dass man nicht immer super Wetter haben kann, ist ja klar, aber nach unserem Wochenende in Watamu müssen wir alle dringend unsere Wäsche waschen und das ist bei Regen einfach nicht möglich – eigentlich geht es sogar nur bei Sonnenschein, da die feuchte Luft allein einfach nichts trocknet. Donnerstag, gerade noch rechtzeitig vor unserem nächsten Wochenendausflug, lässt sich die Sonne dann aber doch blicken und trocknet unsere Wäsche. Ich zähle langsam die Tage und gleichzeitig die Unterhosen, um nicht mehr so oft per Hand hier waschen zu müssen. Abgesehen davon, dass das nämlich super anstrengend und zeitaufwändig ist, nervt es auch, dass man den Dreck nicht so gut herausbekommt – genauso wie das Waschmittel. Ich kann es wirklich kaum erwarten, meine Wäsche in die Waschmaschine zu schmeißen und sauber und geschleudert wieder rauszuholen! Andererseits wird uns der Haushalt auch ein wenig erleichtert, durch Betty, unsere Cleaning Lady. Sie kommt ein- bis zweimal pro Woche, bezieht unsere Betten frisch und naja, säubert das Haus zumindest halbwegs gründlich. Manchmal müssen wir doch noch selbst Hand anlegen. Trotzdem ist gerade die frische Bettwäsche eine angenehme Erleichterung.

                        Am Freitag beginnt unser Geburtstagswochenende – für mich beginnt es ziemlich genau um 6 Uhr morgens, denn ich muss früh aufstehen, um einen Geburtstagskuchen für Julien zu backen. Wenn man Julien mit etwas glücklich machen kann, dann ist es Schokolade. Also gibt’s natürlich einen Schokokuchen – Happy Birthday, Julien!

                        Anlässlich Juliens und Valerias Geburtstag fahren wir (Julien, Valeria, Ari, Jacob und ich) dieses Wochenende nach Diani Beach, einem Strand an der Südküste Kenias.

                        Wir hüpfen nach der langen Fahrt kurz in den Pool, essen ein Stück vom Geburtstagskuchen und erkunden noch schnell den Strand, bevor es dunkel wird. Schließlich ist der traumhafte Strand von Diani Beach der Grund, weshalb wir hier sind. Tatsächlich ist dies der schönste Strand, den ich bisher hier in Kenia gesehen habe. Der kann definitiv mit Sansibar mithalten! Er ist kilometerlang und sehr breit, der Sand ist fein und weiß, auf der einen Seite ist der Strand durch viele Palmen vom Land abgegrenzt, auf der anderen Seite rauscht das türkise Meer mit kristallklarem Wasser – ein Traum!


                        Auf Empfehlung unserer Gastgeberin gehen wir abends in der Tiki Bar, nicht weit von unserer Unterkunft, essen. Hier erleben wir direkt das nächste Kenia-Highlight, diesmal kulinarisch. Noch nie haben wir hier so gut gegessen. Das Essen ist unfassbar lecker und perfekt zubereitet. Wir alle bestellen die unterschiedlichsten Gerichte, aber alle sind einfach nicht zu toppen.

                        Diani Beach ist ein Touristenmagnet – das merkt man sofort, wenn man hier durchläuft. Die Straßen sind umgeben von Hotelanlagen und Ferienwohnungen, dazu Souvenirshops, etliche Straßenverkäufer, die einem etwas andrehen wollen und westlich orientierte Supermärkte und Restaurants. Eine ganz andere Welt als in Kilifi. Uns wird noch einmal bewusst, dass wir in Kilifi eigentlich einen ganz anderen, unserer Meinung nach den „wahren“, Eindruck vom Leben in Kenia bekommen, als es der normale Tourist tut, der sich nur an diesen für Touristen aufgehübschten und an Touristen ausgerichteten Orten aufhält. Klar, wir genießen die Zeit hier, sind dennoch froh, dass wir unseren Alltag im ruhigen, entspannten und einfachen Kilifi verbringen. Es ist jedoch kein Wunder, dass es so viele Touristen nach Diani zieht – es ist nun mal wirklich ein paradiesischer Ort.

                        Samstagabend wird in den nächsten Geburtstag reingefeiert: Happy Birthday, Valeria! Aus diesem Anlass wartet auch der – für mich – erste Clubbesuch in Kenia: Es geht ins „Shakatak“, einen Club, der Ari und Valeria von Bekannten in Kilifi empfohlen wurde. Dort angekommen, sind wir einerseits begeistert von der schönen Location des Clubs, andererseits echt verwirrt von der Tatsache, dass sich unter dem DJ-Pult, vor der Tanzfläche, ein riesiger Spiegel befindet, vor dem die Leute tanzen und sich dabei selbst beobachten – das ist echt strange! Gute Laune, gemischte Musik und viele wackelnde Popos sind angesagt – ja, so tanzen die Afrikaner/innen am liebsten. Was uns hier nicht so gut gefällt, ist der überall herrschende Sextourismus. Ein heikles Thema, welches dennoch nicht verheimlicht werden sollte. Es heißt, dass viele Europäer nach Ostafrika, besonders an die kenianische und tansanianische Küste, kommen, um sich dort für Geld Zuneigung und Zweisamkeit zu erkaufen. Diani Beach ist einer der Hotspots für Sextourismus.

                        Insgesamt hatten wir wieder jedoch einmal ein super schönes Wochenende zu fünft – schade, dass Ari und Jacob nächste Woche abreisen!

                        • Woche 11. (Tag 76-82 | 18.11.-24.11.)

                          Themen: Malindi, Absolventenfeier, Katamaranfahrt, Mombasa

                          Diese Woche machen wir einen Tagesausflug nach Malindi. Malindi ist eine Stadt nördlich von Kilifi, ebenfalls an der Küste, nicht weit von Watamu. Wir reisen hauptsächlich dorthin, weil Julien, Dennis und Greta dort ihr Visum verlängern lassen müssen.

                          Wir treffen hier in Malindi auch einen Kommilitonen aus den Vorlesungen, der hier in Malindi lebt und arbeitet. Ja, die Masterstudenten arbeiten alle Vollzeit, deshalb finden unsere Vorlesungen auch nur abends statt. Ganz schön hart für die Kenianer: tagsüber 8-9 Stunden arbeiten, abends in die Vorlesung, am Wochenende lernen – und manchmal dann noch aus anderen Städten herpendeln. Vincent heißt der Kommilitone, den wir in Malindi treffen. Mit ihm haben wir schon öfter Kontakt gehabt und er freut sich, uns seine Stadt zeigen zu können. Wir besichtigen mit ihm neben dem Strand und der Innenstadt auch zwei Museen – eines über einen kuriosen Fang im Meer, eines über die Geschichte der verschiedenen Kulturen und Religionen, die in Kenia vertreten sind. Außerdem zeigt uns Vincent sein Business, einen T-Shirt-Shop, in dem er kundenspezifische Drucke auf T-Shirts verkauft. Ganz schön aufwändig, denn er macht für jeden Kunden einen spezifischen Siebdruck. Er hat insgesamt 6 Angestellte, die ihm dabei helfen und die uns zeigen, wie die Shirts entstehen.


                          Als wir aus Malindi zurückkommen, werden wir zuhause recht unangenehm überrascht: Die Leute von der Uni haben uns unser komplettes Mobiliar im Wohnzimmer genommen. Wir finden ein leeres Wohnzimmer vor – in beiden Appartements. Grund dafür ist die anstehende Absolventenfeier, die schon die ganze Woche über den Campus in Trubel versetzt. Für diese Feier werden alle Hebel in Bewegung gesetzt und der Campus wird penibel herausgeputzt: Alle denkbaren Wände und Pfeiler werden neu angestrichen, die Wege mit Fahnen dekoriert, Büsche getrimmt, Zelte aufgestellt – nunja und eben auch Räume für VIP-Gäste hergerichtet, für die wir unser Mobiliar hergeben müssen. Bei diesen VIP-Gästen handelt es sich um Leute wie Bildungsminister und Vizepräsidenten Kenias, also hoher Besuch. Wir können verstehen, dass man solche Leute nicht auf Klappstühlen frühstücken lassen möchte, jedoch wurde mit uns im Vorhinein nicht wirklich kommuniziert, sodass wir schon ziemlich überrascht sind, als wir das leere Wohnzimmer vorfinden. Zudem wurden uns die Spiegel aus unseren Zimmern geklaut.

                          Jacobs und Aris Zeit an der Pwani University neigt sich diese Woche leider dem Ende zu. Freitag ist ihr letzter Arbeitstag, Samstag verlassen sie beide Kilifi, um mit Verwandten das Land noch etwas zu bereisen. Grund genug für uns, diese Woche noch viel Zeit mit den beiden zu verbringen, denn schließlich sind sie uns sehr ans Herz gewachsen. So genießen wir zum Beispiel noch einen wunderschönen Abschluss an ihrem letzten Abend während eines Sunset Cruise im Kilifi Creek. Aris und Jacobs Vorgesetzte, Santie, und ihr Mann, Ethian, haben einen Katamaran am Boat Yard liegen und laden Ari und Jacob und uns, ihre Freunde, auf eine abendliche Rundfahrt in den Sonnenuntergang ein. Wir fahren mit dem Segelboot in die wunderschöne Einbuchtung des Creeks, der umgeben ist von Bäumen und Palmen, mittendrin ein paar kleine Insel und viele Vögel, wie zum Beispiel Bienenfresser, zu beobachten. Im Hintergrund bildet der Sonnenuntergang mit ein paar Wolken ein wunderschönes Farbspiel. Wir sind begeistert von der Atmosphäre, während wir auf Hängematten des Katamarans über das Wasser gleiten. Jeder von uns hat ein paar Snacks und Drinks mitgebracht, sodass es rundum ein schöner, gemütlicher und geselliger Abschluss für Ari und Jacob wird.


                          Zurück zur Absolventenfeier, die den gesamten Campus in Trubel versetzt: Ziemlich ungewohnt für uns, denn aufgrund der wegen des Streiks fehlenden Bachelorstudenten ist der Campus in den letzten Wochen wie leergefegt gewesen. Nun erleben wir hier für einen Tag das komplette Gegenteil: Der Campus ist von Menschen überflutet, überall läuft Musik, Kleinhändler breiten ihre Decken auf den wenigen freien Fleckchen aus und verkaufen Geschenke und Dekoschnickschnack. Es ist, als hätte sich der Campus für einen Tag in ein Festivalgelände verwandelt. Selbst unser Vorgarten wird von sämtlichen Menschen als Platz zum Sitzen und Verweilen genutzt, Familien schneiden hier die feierlichen Torten an oder ruhen im Schatten – denn die Sonne knallt auf den überfüllten Campus. Uff, ganz schön viel Trubel von gleich auf jetzt. Genauso schnell, wie dieser Trubel kam, ist er dann aber gegen Nachmittag auch wieder verschwunden und am nächsten Tag bekommen wir freundlicherweise auch unsere Möbel zurück.


                          Rukiah, unsere Keswahili-Lehrerin hat uns diese Woche nach Mombasa eingeladen, denn sie lebt hier mit ihrer Familie. Früh morgens machen Valeria, Julien, Dennis, Greta, Paula, Edith und ich uns im Express-Matatu auf den Weg nach Mombasa. Dort angekommen, wartet Rukiah schon an der Sehenswürdigkeit „Fort Jesus“ auf uns – eine alte Festung, die einst von den Portugiesen erbaut wurde, um Mombasa vor Angriffen zu schützen. Wir bekommen eine ausführliche Führung durch die Überreste dieser Festung, die zum Teil noch recht gut erhalten sind, zum Teil restauriert wurden. Anschließend geht es in Rukiahs zentral gelegene und gemütliche Wohnung, in der bereits eine Horde Kinder auf uns wartet.

                          Wir kochen gemeinsam bei Rukiah typisch swahilisches Essen: Es gibt Biryani, das wir ja schon von Mother Biggy kennen und unbedingt selbst ausprobieren wollten, dazu Reis, Mchicha, Aubergine und Okra, selbstgemachten Tumarlinsaft und Avocado-Shakes, süße Kokos-Reispfannkuchen und einen Pudding aus Ei und Milch mit Rosinen als Dessert – klingt viel, ist viel! Vor allem viel Arbeit. Insgesamt kochen wir fast 3 Stunden und das, obwohl insgesamt 10 Personen damit beschäftigt sind. Das Warten lohnt sich jedoch: Wir genießen das ausgiebige Mahl und sind wieder einmal begeistert von Rukiahs Kochkünsten.

                          Nach dem Essen geht’s dann weiter auf die verschiedenen Märkte Mombasas, über die wir ein wenig bummeln, bevor es mit dem Matatu wieder Richtung Kilifi geht.

                          Ende der Woche wird noch Geburtstag Nummer 3 gefeiert: Happy Birthday, Paula! Zu sechst starten wir den Sonntag, wie es sich gehört, mit einem ausgedehnten Geburtstagsbrunch bei uns am Haus, jeder steuert dazu etwas bei.

                          • Woche 12. (Tag 83-89 | 25.11.-01.12.)

                            Themen: Vermissen, Prüfungsleistungen, Wassernot, WEIKE

                            Die letzten drei Wochen brechen an und ich muss sagen – so langsam freue ich mich so richtig auf zuhause. Wieso? Ich vermisse natürlich in erster Linie die Menschen: meine Familie, Matze, meine Freunde. Mir fehlt mein Alltag in Karlsruhe, die Menschen, die ich dort jeden Tag um mich herumhabe und die Aktivitäten, die ich mit ihnen unternehme. Mir fehlt aber auch, alle paar Wochen nach Minden zu fahren, dort meine Familie zu sehen, meine Freunde aus der Schulzeit, mit meinem Patenkind zu spielen, Krocket mit Papa und Carsten im Garten oder Scrabble mit Mama auf dem Sofa.

                            Ich kann’s kaum erwarten, all die leckeren Dinge zu essen, die ich in Deutschland so gern esse: Käse, Salat, Burger, Schnitzel (mit Champignon-Rahmsauce), Brot und Brötchen, sämtliche Milchprodukte, Mamas oder Omas Hühnersuppe, …. Auch die warme, mit vollem Wasserstrahl und -druck fließende Dusche könnte ich mal wieder vertragen, anstelle des kalten Rinnsals, das eng an der Wand entlang aus dem Duschkopf tropft. Dazu die hervorragende Wasserqualität bei uns, gerade in Karlsruhe: den Wasserhahn aufdrehen und Trinkwasser genießen, anstelle der durchgehend leicht trüben Brühe, die hier aus den Hähnen kommt.

                            Ich vermisse auch Deutschland, das Klima dort, die (Hygiene-)Standards und Verhältnisse. Ich habe hier festgestellt, dass ich mich im Deutschen Klima doch echt ganz wohl fühle. Die abwechslungsreichen Jahreszeiten, die einem immer etwas anderes bringen, die sich abkühlen, wenn man genug von der Hitze hat und wieder erwärmen, wenn man schon lange Zeit frieren musste. Ehrlich gesagt, sehne ich mich nach dem Frieren. Ich halte die schwüle, feuchte Luft hier kaum noch aus. 3 ½ Monate ununterbrochen schwitzen, selbst wenn man nur im Haus sitzt und liest – und der Schweißausbruch wird natürlich stärker, muss man Dinge erledigen wie Wäschewaschen, Einkaufen, Kochen. Das feuchte Klima macht nicht nur unseren Körpern zu schaffen, sondern neben den Lebensmitteln auch unseren persönlichen Gegenständen. Es fangen mittlerweile die absurdesten Dinge an zu schimmeln: Schuhe, Taschen und Rucksäcke, bereits gekaufte Mitbringsel – und das mit Abstand absurdeste: sogar Dennis‘ und Juliens Reisepässe schimmeln. In meinem Fall hat es meinen Ledergürtel getroffen, der seit Wochen (oder sogar Monaten) unberührt in meiner langen Jeanshose verweilt (klar auch, die braucht man hier ja nicht) und mittlerweile förmlich vom Schimmel aufgefressen wird.


                            Ich freue mich darauf, wieder ohne Mosquitonetz zu schlafen, bzw. mich nicht alle paar Stunden, zum Teil frisch nach dem Duschen, mit Mückenspray einsprühen zu müssen, mich generell nicht vor Malaria oder anderen gefährlichen Krankheiten schützen zu müssen. Außerdem sehne ich mich danach, wieder auf die Straße zu gehen, ohne angestarrt oder angeschrien zu werden „Ey, Wazungu, Mombasa, Mombasa“, habe ich hier täglich die Matatu-Fahrer im Ohr, die mich davon überzeugen wollen, in ihrem Matatu nach Mombasa oder Malindi zu fahren. Wazungu, so werden wir Weißen hier von den Einheimischen genannt. Das fanden wir anfangs echt merkwürdig, mittlerweile haben wir uns daran gewöhnt und machen uns ab und zu darüber lustig. Das Wort Wazungu ist keinesfalls negativ konnotiert, es beinhaltet keine bösen Assoziationen. Es trennt nur einfach einen Menschen mit weißer Haut von allen anderen Menschen, als seien wir eben eine eigene Rasse. Wenn wir manchmal durch die Dörfer gehen, erleben wir sogar, wie Frauen ihren Kindern auf dem Arm das Wort Wazungu nahezu an uns beibringen. „Ooohh, look, Wazungu“ – das finden wir echt befremdlich. Es ist ähnlich, als wenn wir in den Zoo gehen und zu Kindern sagen „Ooohh, schau mal, ein Erdmännchen“. Wieder durch die Straßen Deutschlands zu spazieren und keine Attraktion für alle anderen zu sein – ich kann’s kaum erwarten. Außerdem vermisse ich mein Fahrrad und die damit verbundene Tatsache, immer und überall mobil zu sein, unabhängig von einem Bodaboda- oder Tuktukfahrer, der dich von A nach B bringt – vor allem abends bzw. an abgelegenen Plätzen, an denen nicht immer eine Transportmöglichkeit wartet. Zudem ist es echt schade, die Vorbereitung und Einstimmung auf Weihnachten zu verpassen. Weihnachtsstimmung kommt bei schwülen 34 Grad jeden Tag eher nicht auf, zumal die Kenianer Weihnachten auch nicht so zelebrieren wie wir – ein Großteil der Bevölkerung ist ja eh muslimisch und auch für die Christen hier wird Weihnachten nicht mit all dem Schnickschnack, den wir von zuhause kennen, geschmückt. Zu guter Letzt freue ich mich natürlich auf die Waschmaschine in Deutschland und die frische, saubere und von Waschmittel befreite Wäsche, die frischen Handtücher und Bettwäsche, die so herrlich duften!

                            Natürlich gibt’s aber auch Dinge, die ich vermissen werde! Die leckeren Früchte, das frische Obst und Gemüse vom Markt, welches mit dem in unseren Supermärkten überhaupt nicht vergleichbar ist. Dazu die schönen Strände, bzw. die Tatsache, dass unser Wohnort und das Klima es fast täglich zulassen, sich eine Auszeit am Strand zu nehmen, im erfrischenden, aber dennoch warmen Indischen Ozean zu baden. Die abwechslungsreiche und atemberaubende Natur und die Artenvielfalt, sowohl in der Tier- als auch in der Pflanzenwelt, die mich immer wieder auf’s Neue beeindruckt. Das günstige und einfach Leben hier, die Avocado für umgerechnet 20 Cent und die Einfachheit im Alltag, alles ist so unkompliziert und gelassen. Das Zusammenleben mit Julien und Valeria, was mich hier zwar manchmal auch anstrengt – aber ich werde die zwei definitiv morgens vermissen, wenn ich in meiner Wohnung in Karlsruhe ganz allein aufwache. Die anderen Menschen, die ich hier kennenlernen durfte und die den Aufenthalt zu etwas ganz Besonderem gemacht haben: Paula, Edith, Paul, Ari & Jacob, Rukiah – oder die Menschen in den Restaurants und auf dem Markt, die uns mittlerweile kennen und sich immer freuen, uns zu sehen, uns zum Teil mittlerweile bei jedem Einkauf eine Tomate oder Orange schenken.

                            Diese Woche ist wirklich nicht viel Spannendes passiert. Wir müssen uns intensiv auf die anstehenden Abschlussklausuren nächste Woche vorbereiten, zudem ein Paper abgeben, welches wir diese Woche fertigstellen und Valeria, Greta und ich halten diese Woche mit unserer Gruppe die Präsentation im Fach Marketing Management. Die Zusammenarbeit mit den Kenianern stellt dabei sowohl unsere Geduld als auch unsere Nerven durchaus auf die Probe. Im Endeffekt meistern wir jedoch alles souverän.

                            Die ineffiziente und unzuverlässige Arbeitsweise der Kenianer wird uns diese Woche direkt noch einmal unter die Nase gerieben: Das Wasser in der Hauptleitung fällt Anfang der Woche mal wieder aus, nach 1 ½ Tagen ist dann auch unser Tank leer, sodass wir auf die Wasserkanister-Reserven zurückgreifen müssen. Zunächst halb so wild, wir sind das ja gewohnt. Als uns dann jedoch auch die Kanister langsam knapp werden, gehen wir zu den für unser Haus zuständigen Leuten und bitten sie, uns jemanden zu schicken, der die Kanister wieder auffüllt, damit wir wenigstens den Spülkasten unserer Toiletten und kleine Wannen zum Händewaschen mit Wasser befüllen können. Duschen ist schon lange abgeschrieben. „Oh okay, yes we will”, lautete die Antwort, die wir bekommen und so erwarten wir, dass in den nächsten Stunden oder spätestens am nächsten Morgen jemand kommt, um uns Wassernachschub zu bringen. Fehlanzeige. Nachdem uns dann wirklich am nächsten Vormittag der letzte Tropfen Wasser ausgeht, werde ich unruhig. Ca. 24 Stunden ist es her, dass wir um Wasser gebeten und die Dringlichkeit freundlich vermittelt haben – und nichts ist passiert. Das finde ich schon echt hart, uns hier so komplett ohne Wasser stehen zu lassen, zumal an anderen Gebäuden des Campus das Wasser ohne Probleme funktioniert – zum Beispiel in den Studentenzimmern, in denen wir manchmal bei Wasserausfall duschen dürfen. Immerhin, am Abend bringt uns dann jemand die vollen Kanister vorbei. Meine Güte, was für ein Krampf.

                            Wir schauen diese Woche auch mal wieder beim Feld des WEIKE-Vereins vorbei. Wir entdecken, dass die Frauen mittlerweile auch Bananenbäume gepflanzt haben und dass es nun einen stabilen Zaun gibt, der das Land vor Ziegen schützt. Die Ziegen, die hier im Dorf frei herumlaufen, machen sich ansonsten nämlich über die Pflanzen und deren Früchte gemächlich her.

                            • Woche 13. (Tag 90-96 | 02.12.-08.12.)

                              Themen: Prüfungsausfall, Kilifis Dörfer, Nairobi, Safari (Masai Mara)

                              Diese Woche beginnt mit unseren finalen Abschlussklausuren – naja, zumindest eigentlich, laut Plan halt. Aber wie das ja in Afrika so ist, sagen Pläne hier nichts aus, bis etwas wirklich stattfindet. Exakt 2 Stunden vor unserer Klausur am Montag erfahren wir, dass diese abgesagt wird. Wir hatten uns intensiv darauf vorbereitet und uns schon mental darauf eingestellt, dass wir Dienstagabend alles geschafft haben und die letzten Tage hier genießen und Kenia noch etwas erkunden können. Denn wir haben noch eine Safari für’s Wochenende gebucht! Da kommt es uns jetzt nicht so gelegen, dass die Klausuren einfach abgesagt und auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Schnell sprechen wir mit Edith und sie setzt alles daran, für uns die Klausurtermine noch so zu legen, dass wir daran teilnehmen können, ohne unsere Pläne zu canceln.

                              Es ist nicht so, als hätten wir uns die letzten zwei Wochen unseres Aufenthalts nicht freigehalten für die Prüfungen, sicher kann es immer Änderungen geben und damit muss man rechnen. Jedoch dachten wir, dass der Plan nun am Wochenende vor der Prüfung so bestehen bleibt, schließlich wird uns schon seit 2 Wochen ständig gesagt, am 2. Und 3. Dezember seien unsere Final Exams. Dass 2 Stunden vor der Prüfung der komplette Prüfungsplan über den Haufen geworfen wird – damit kann man nun wirklich nicht rechnen – aber so ist das wohl in Afrika.

                              Immerhin ergibt sich im Laufe der Woche, dass die Prüfungen exakt um eine Woche verschoben werden, wir können also daran teilnehmen, ohne unsere weiteren Reisepläne zu verschieben.

                              Diese Woche machen wir mit Ferdinand einen kleinen Ausflug durch die Dörfer der Umgebung. Ferdinand ist Patenkind einer Freundin von Sissi, ein Waisenkind aus Kilifi, mittlerweile ca. 30-35 Jahre alt. Er zeigt uns, in welchem Dorf er aufgewachsen ist und wie die Menschen dort leben. Das ist ziemlich interessant, denn allein die Fahrt dorthin ist ein Erlebnis. Mit dem Bodaboda fahren wir auf einem sandigen, holprigen Weg weit hinaus durch eine ewig lange Palmenlandschaft, die mich kurz daran erinnert, dass ich diese Landschaften vermissen werde. Der frische, warme Wind, der einem durch Nase und Haare weht, während man mit dem Bodaboda durch die Palmen streift…

                              Im Dorf angekommen, welches aus wenigen Lehmhütten besteht, begrüßen uns die Menschen (unter ihnen viele Kinder) freundlich und bringen uns Sitzgelegenheiten. Sofort macht sich ein ca. 12-jähriger Junge auf den Weg, uns frische Kokosnüsse zu holen. Nein, nicht aus der Küche – vom Baum! Frisch eben. Er klettert den ca. 15-20 Meter hohen Baum hinauf – ohne Zögern, ohne Bedenken – und erntet uns ein paar frische Kokosnüsse, die uns dann in Kürze zum Trinken und Essen zubereitet werden. Wow, wir sind geschockt und beeindruckt zugleich. Ferdinand erzählt uns ein wenig über sich, sein Leben und darüber, wie die Menschen hier leben. Es ist schön zu sehen, wie einfach und dennoch glücklich die Menschen hier leben, auch wenn man ihnen etwas höhere Standards, vor allem bezogen auf Hygiene, wünschen würde. Man kann sehen, dass einige der Menschen krank sind und kann sich vorstellen, wie es dazu kommt, wenn die Menschen hier so leben. Dennoch sind hier alle zufrieden und glücklich, wie sie eins mit und in der Natur leben.


                              Am Donnerstag startet dann unsere Reise in das absolute Gegenteil: Der eigentlich als After-Klausuren-Ausflug geplante Trip nach Nairobi. Hier bleiben wir für eine Nacht, bis wir am nächsten Tag vom Veranstalter für die Safari im Masai Mara Nationalpark abgeholt werden. Unsere Reise nach Nairobi starten wir mit dem recht neu von Chinesen erbauten Zug zwischen Mombasa und Nairobi – die einzige Zugstrecke Kenias, die zweimal täglich in beide Richtungen fährt. Wir sind überrascht von diesem Zug und den neuwertigen, technologisch hochwertigen Stationen, die mal so gar nicht in dieses unterentwickelte Land passen. Man merkt so richtig, wie die Chinesen einfach den Zug hier hereingesetzt haben, er wirkt fremd von alle dem, was hier sonst so passiert. Dennoch wird er ausgiebig genutzt, die Menschen sind froh, eine gute Transportmöglichkeiten zwischen den zwei größten Städten Kenias zu haben und der Zug ist fast jede Fahrt ausgebucht. Was uns besonders gut gefällt ist, dass die Strecke die Nationalparks Tsavo West und East quert, wir können also vom Zug aus Giraffen, Zebras, Antilopen, Elefanten und mehr beobachten.

                              In Nairobi angekommen, ist dann irgendwie alles anders als im Rest des Landes. Das erste, das uns auffällt: die klare Luft, frei von Feuchtigkeit. Wie haben wir das vermisst! Wir atmen ein paar Mal tief durch als wir aus dem Zug aussteigen und genießen das angenehm warme, aber nicht schwüle, Klima. Was uns auch schnell auffällt, als wir vom Zug ins Uber steigen, um zu unserer Unterkunft zu kommen, ist der Verkehr, der hier äußerst geregelt ist im Vergleich zu Kilifi oder Mombasa. Es gibt eingezeichnete Autospuren, auf den Hauptstraßen sogar mehrere pro Fahrtrichtung, viele Ampeln und Kreisel, zudem scheinen sich die Leute hier an Regeln zu halten. Das ist jedoch auch dringend notwendig bei dem heftigen Verkehrsaufkommen hier, welches noch einmal deutlich höher ist als das in Mombasa. Hektisch, voller Menschen, businessmäßig – das sind die Eindrücke, die wir von Nairobi während unseres kurzen Aufenthalts bekommen. Von der gelassenen Art der Menschen an der Küste ist hier nichts zu spüren. Nairobi hat einen sehr westlichen Touch, es könnte auch Johannesburg in Südafrika sein. Nachdem wir unser äußerst gemütliches und zentrales Airbnb bezogen haben, besichtigen wir noch das internationale Konferenzzentrum Nairobis, einen großen Tower, von dem man einen unglaublichen Blick über die Weltstadt hat:


                              Früh am nächsten Morgen startet unsere Safari in den Masai Mara Nationalpark, den bekanntesten und beliebtesten Park Kenias, der zwar recht klein ist und den nördlichsten Zipfel des Serengeti-Parks in Tansania bildet, dennoch mit einer sehr hohen Vielzahl an Tieren – besonders Wildkatzen – Unmengen an Besuchern anlockt. Mit seinem unendlich weiten und typisch afrikanischen Grasland bildet er ein ganzes anderes Bild als die Parks, die wir bisher gesehen haben. Hauptgrund für unsere Reise nach Nairobi und Masai Mara war, dass wir jetzt drei Monate hier in Kenia verbracht und dennoch „nur“ die Küste und die Nationalparks im Südwesten gesehen haben. Wir wollen nicht zurückkehren, ohne noch einen ganz anderen Teil des Landes gesehen zu haben. Und ja, tatsächlich ist hier im Landesinneren alles etwas anders – auch im Nationalpark.

                              Nach einer sehr langen Anreise, die einerseits dadurch verzögert wird, dass wir noch unsere Mitreisenden einsammeln müssen, andererseits durch die vom Starkregen der letzten Wochen zerstörten Straßen und Wege, kommen wir in unserem Camp an. Wir haben diesmal eine „Budget Safari“ gebucht, also eine äußerst preisgünstige, bei der wir auch von fremden Mitreisenden begleitet werden und in Zelten übernachten. Das Camp, in dem wir unterkommen, besteht aus Luxuszelten, also solche, die ein richtiges Dach über dem Zelt tragen, groß genug sind, um richtige Betten hineinzustellen und sanitäre Anlagen innerhalb des Zeltes installiert haben. Das klingt luxuriös, ist es auch, wenn man bedenkt, dass wir „campen“ – trotzdem ist hier alles sehr einfach gehalten und der Unterschied zu unserer ersten Safari könnte nicht größer sein. Paula, Valeria, Julien und ich teilen ein Zelt mit 4 Betten. Das Essen ist sehr abgespeckt, was uns jedoch nicht stört, wir finden immer etwas, das uns satt macht. Strom gibt es nur für ein paar Stunden am Tag, morgens und abends, an WLAN ist natürlich nicht zu denken. Immerhin heißes Wasser gibt es ab und zu. Das braucht man auch, denn wir frieren uns hier förmlich den A*sch ab. Die 20 Grad sind wir echt nicht mehr gewöhnt, dazu regnet es viel, was alles noch kälter macht. Nachts müssen wir uns unter den dicken Bettdecken einkuscheln, um nicht zu frieren, tagsüber laufen wir in langen Hosen, dicken Pullis und Regenjacken herum – das ist echt ungewohnt. Wir hatten hier ein anders Klima als an der Küste erwartet, aber dass der Unterschied so extrem ist, haben wir nicht gedacht.

                              Der Masai Mara Park leidet momentan an den heftigen Regengüssen, das Grasland verwandelt sich in einen einzigen Sumpf, die Wege für Autos sind kaum befahrbar und sorgen dafür, dass alle paar Minuten ein Safari-Auto steckenbleibt. Das passiert auch uns öfter während der Safari. Wir freuen uns natürlich, dass unsere Safari stattfindet, finden es andererseits unverantwortlich, dass die Besucher unter diesen Umständen überhaupt in den Park gelassen werden. Den Höhepunkt erreicht dieser Kampf mit dem Matsch als wir am Sonntag den Park verlassen und uns auf den Rückweg nach Nairobi machen wollen. Der Weg, der aus dem Park heraus zurück in die Zivilisation führt, ist durch den Starkregen der vergangenen Wochen und vor allem der letzten Nacht nahezu unbefahrbar – und natürlich gibt es nur diesen einen Weg hinaus. Mehrere Stunden verbringen wir damit, diesen Weg zu überqueren und andere, steckengebliebene Autos aus dem Sumpf zu holen. Es kommt sogar so weit, dass die Autos in den nebengelegenen Graben rutschen und von anderen Autos herausgezogen werden müssen. Sogar ein Traktor kommt heran, um die Autos durch die schlimmsten Zonen zu ziehen, aber da die Verhältnisse natürlich von Auto zu Auto schlimmer werden, muss auch der Traktor irgendwann kämpfen. Was für ein Erlebnis! Es ist aufregend und anstrengend zugleich.

                              Von Nairobi geht es dann mit dem Nachtbus zurück nach Kilifi. Die Busfahrt ist leider geprägt von holprigen Wegen, klappernden Sitzen und Fenstern, und mehreren Buswechseln. Mitten in der Nacht verbringen wir 3 Stunden an einer Raststätte, da unser Bus einen Defekt zu haben scheint, der versucht wird, zu fixen. Nach 3 Stunden wird aufgebeben und wir steigen in einen anderen – alten, klapprigen – Bus, den wir in Mombasa dann nochmal gegen einen neueren austauschen. Der neue hat zwar nicht genügend Sitzplätze für alle Fahrgäste, aber das scheint den Veranstaltern egal zu sein. Uff.

                              Nach insgesamt 26 Stunden Reise zwischen Masai Mara und Kilifi kommen wir erschöpft am Montagmorgen um 10.30 Uhr wieder zuhause an. Die Klausur am Abend kann kommen!

                              Trotz des ganzen Stresses hatten wir wieder einmal eine atemberaubende Safari, haben die Sicht auf Landschaft und Wildtiere genossen und ich habe zum ersten Mal Geparden beobachten dürfen, was ein absolutes Highlight für mich war.


                              • Woche 14. (Tag 97-103 | 12.12.-15.12.)

                                Themen: Final Exams, Abschied, Watamu, Plastikmüll, WEIKE

                                In Kilifi angekommen, tanken wir noch etwas Schlaf, bevor wir unser Wissen über Human Resource Management für die Klausur am Abend noch einmal auffrischen. Die Klausur findet tatsächlich statt, wir haben fast nicht mehr daran geglaubt. Allerdings sind wir ziemlich überrascht von den Klausurfragen, die sich nämlich eher wenig auf das beziehen, was wir in den Vorlesungen behandelt haben. Wir stehen also etwas ratlos da und müssen improvisieren. Am nächsten Tag absolvieren wir noch die zweite Klausur, die ähnlich bescheiden läuft wie die erste, bringen die zweite Hausarbeit hinter uns und am Mittwoch ist dann wirklich alles geschafft! Jetzt haben wir noch 4 Tage, um Kenias schöne Seiten ohne offenstehende Aufgaben zu genießen – und das machen wir auch! Wir essen noch einmal an all den Orten bzw. all die Gerichte, die uns so gut gefallen haben. Dazu gehören zum Beispiel Biryani bei Mother Biggy, die Samosas am Boat Yard, der Burger im Mnarani Club Hotel oder die Knoblauchpommes im Terrace. Wir treffen noch einmal all die Leute, die wir hier kennenlernen durften und die unseren Aufenthalt zu etwas ganz Besonderem gemacht haben. Denvas zum Beispiel lädt uns zum Abendessen in sein winziges Zuhause ein. Interessant zu sehen, wie eng und abgespeckt ein Einheimischer auf dem Dorf, ohne viel Geld, hier lebt. Anthony, der in Kilifis Supermarkt arbeitet und uns regelmäßig mit unseren kenianischen SIM-Karten hilft, trifft uns noch einmal zum Mittagessen und verbringt anschließend den Nachmittag mit uns. Edith treffen wir auf einen Abschiedsabend im Terrace, sie hat sogar kleine Abschiedsgeschenke für uns. Davon sind wir sehr gerührt. Zur Rührung können wir sie jedoch auch bringen diese Woche, denn es ist ihr Geburtstag, wie uns Belinda gezwitschert hat. So überraschen Dennis, Greta, Valeria, Julien und ich sie singend in ihrem Büro. Hier in Kenia scheint der Geburtstag nicht so besonders zu sein, wie bei uns, er wird nicht wirklich thematisiert oder zelebriert. Edith hat sich wirklich rührend hier um uns gekümmert, uns sehr viel geholfen und ist ein sehr sympathischer, verständnisvoller Mensch. Ich hoffe sehr, dass wir sie nächstes Jahr in Deutschland wiedertreffen. Wir treffen auch noch einmal Paul und Abdallah. Die zwei haben wir nun schon länger nicht mehr gesehen, aber auch sie wollen noch ein wenig Zeit mit uns verbringen, bevor wir zurückkehren.

                                Was wir in diesen Tagen natürlich auch noch ordentlich ausnutzen, sind die wunderschönen Strände und das dazu passende Strandwetter. So genießen wir zum Beispiel noch einen Tag im Mnarani Beach Club und einen Nachmittag am Baobabstrand, Kilifis Strand am offenen Meer des indischen Ozeans. Der Baobabstrand macht uns den Abschied noch einmal besonders schwer, denn an dem Tag, an dem wir dort sind, ist es unglaublich schön, vergleichbar mit Sansibar. Keine Algen, perfekter Wasserspiegel, sodass sich ein ewig breiter, weißer, paradiesischer Strand mit kristallklarem, türkisblauem Wasser bildet, im Hintergrund wehen die Palmen in der leichten, angenehm warmen Brise.


                                Außerdem verbringen wir noch eine Nacht in Watamu, dort hat es uns damals so gut gefallen und es ist nur ca. 30 Minuten von Kilifi entfernt. Julien hat hier noch einmal eine Fishing-Tour gebucht und Valeria, Paula und ich entscheiden uns, ihn nach Watamu zu begleiten und die Zeit am ebenfalls traumhaften Strand zu genießen:


                                Bei diesen wunderschönen Strandbildern muss erwähnt sein, dass es auch ganz anders aussehen kann. Kenias Küste leidet extrem unter der Plastikverschmutzung im Meer. Tonnen an Plastik werden täglich an die Strände gespült, oft wird dieses Thema übersehen oder ignoriert. Der Anblick ist erschreckend und lässt einen wirklich über den eigenen Konsum nachdenken. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, weshalb in Kenia Plastiktüten mittlerweile komplett verboten sind. Nicht einmal einführen darf man sie offiziell. Nur kommt die heftige Menge an angespültem Plastik vermutlich weniger aus dem eigenen Land. Ein furchtbarer Anblick, den man jedoch konfrontieren sollte:


                                Unser letzter Tag in Kenia wird noch einmal eine ganz besondere und bewegende Erfahrung. Wir treffen noch einmal Ferdinand, der mit uns heute ein anderes Dorf besucht, in dem wir dann einige der WEIKE-Frauen treffen, die wir bisher noch nicht kennen. Dabei begleitet uns nicht nur Ferdinand, sondern auch Sifah und Joseph, ebenfalls Mitglieder und Tätige im Verein. Sie erzählen uns, dass sie aktuell versuchen, eine Art Ausbildungsprogramm für die Frauen auf die Beine zu stellen, bei dem die Frauen für ein paar Monate sogenannte „Mastercrafts“ erlangen, also eine gewisse Profession in einem handwerklichen Beruf, mit dem sie sich von anderen abheben und ihr eigenes Geld verdienen können. Zudem erklärt uns Sifah, dass sie dafür unterstützend ein Austauschprojekt mit deutschen oder anderen Volontären aufbauen wollen, die dann die Frauen und Kinder im Alltag unterstützen, ihnen etwas beibringen und ihre Situation voranbringen.

                                Die Frauen freuen sich sehr über unseren Besuch und sind stolz, uns ihr Zuhause zu zeigen, wie sie leben und wohnen. In Kenia ist es nämlich etwas ganz besonderes, Gäste zu empfangen, am liebsten hätte jede von den Frauen, dass wir ihr Haus besuchen, was jedoch zeitlich leider nicht möglich ist. Zu sehen, wie die Menschen hier leben, ist schon sehr erschreckend, vor allem, weil sich kein einziger Mann im Dorf befinden zu scheint, nur tausende von Kindern und eben die jungen Mütter. Die Frauen und Kinder leben hier in wirklich ärmsten Verhältnissen, haben keine Einkommensquelle und müssen jeden Tag bangen, wie sie ihre (zum Teil vielen) Kinder ernähren.

                                Uns wird der schreckliche Teufelskreis, der in dieser Kultur immer noch herrscht, durch diesen Besuch heute noch einmal besonders deutlich:

                                Alles beginnt mit Sex. Die kenianischen Männer nehmen sich in dieser Hinsicht, was sie wollen – ob dazu nun eine Vergewaltigung notwendig ist, oder nicht, ist völlig egal. Verhütung akzeptieren sie dabei nicht, da dann erstens der Sex nicht derselbe sei und sie zweitens die Frauen bewusst schwängern wollen, um sie davon abzuhalten, fremdzugehen. Außerdem brüsten sich die Kenianer damit, viele Kinder zu zeugen, es mache sie männlich. Stellt sich nun die Frage: Warum machen die Frauen das mit? Darauf gibt es eine recht simple Antwort: Geld. Da die Frauen meist keine Bildung genießen und dementsprechend keine Profession erlernen, haben sie keine andere Chance, an Geld zu kommen, außer Prostitution. Einmal ein Kind von einem Mann geboren, entsteht eine gewisse Abhängigkeit von diesem Mann. Denn der Mann ist der einzige, der der Frau Geld gibt, von dem sie dann die Kinder und sich selbst hoffentlich ernähren kann. Eine andere Möglichkeit auf Einnahmen haben die Frauen nicht. Im Gegenzug gibt’s natürlich weiterhin ungeschützten Sex, was ganz nebenbei natürlich auch zur Verbreitung der hier herrschenden Geschlechtskrankheiten beiträgt. Sie sind also an den Mann gebunden, fügen sich deshalb seinen Forderungen, werden andauernd wieder schwanger, zeugen mehr Kinder, die mehr Nahrung fordern, also mehr Geld, die Abhängigkeit wird also immer größer. Nicht selten entsteht die Abhängigkeit nicht nur einem, sondern mehreren Männern gegenüber. Es ist eine Art Prostitution, die jedoch die Zeugung vieler, armer Kinder, die nicht ernährt werden können, nach sich bringt – da weder Verhütung noch Abtreibung akzeptiert werden. Sträuben sich die Frauen gegen die Forderungen der Männer, sagen diese Goodbye und das war’s – kein Geld, keine Nahrung mehr für Frau und Kind, an Bildung ist natürlich nicht einmal zu denken. Natürlich laufen die geborenen Mädchen in denselben Teufelskreis ebenfalls hinein, zum Teil viel zu jung. Die jüngste Großmutter in Kilifi ist 26. Eine der Frauen, die wir treffen, hat 4 Kinder und ist 20 Jahre alt.

                                Der einzige Ausweg aus diesem Schlamassel ist die Eigenständigkeit der Frauen, sie müssen ihre Profession finden und erlernen, mit der sie ihr eigenes Geld verdienen können, um unabhängig zu werden und auf die Männer verzichten zu können. Deshalb setzt sich der WEIKE-Verein genau das zum Ziel. Den Anfang macht das Stück Land, auf dem die Frauen Landwirtschaft betreiben und die Ernte verkaufen können, das Ausbildungsprogramm soll weitere Jobs ermöglichen. Wichtig dabei ist, dass die Frauen in diesen Jobs vor Ort in ihrem Dorf trainiert werden können und diesen im Anschluss am besten auch dort ausüben können. Sie können schließlich mit mehreren kleinen Kindern nicht für mehrere Stunden am Tag bis ins Stadtzentrum fahren, zudem würde das Transportkosten bedeuten. Es muss also so arrangiert werden, dass die Ausbildung und die anschließende Alltagsarbeit im Dorf vor Ort stattfinden, sodass die Mütter sich nebenher um ihre Kinder kümmern können.

                                Die größte Herausforderung ist jedoch zunächst, die Motivation der Frauen zu finden und am Leben zu halten. Sie haben keine Zukunftspläne, die sie antreiben, die Frage, wo sie sich in ein paar Jahren sehen, können sie nicht beantworten. Sie leben für den Tag. Sie stehen morgens auf, versuchen irgendwie Geld bzw. Essen für sich und ihre Kinder aufzutreiben und hoffen, dass sie abends etwas auf dem Tisch haben. Dann geht’s ins Bett und am nächsten Morgen geht’s wieder von vorn los. Sie haben zwar Hoffnung auf ein besseres Leben, jedoch sehen sie noch nicht wirklich, dass sie wirklich unabhängig werden können, wenn sie nur wollen und hart dafür arbeiten – was im Übrigen auch zeitlich nicht so einfach ist, wenn man mehrere kleine Kinder allein großzuziehen hat. Die Männer scheren sich nicht viel um die Erziehung oder Versorgung der Kinder, sie sind tagsüber unterwegs, üben körperliche oder handwerkliche Arbeit aus und erfüllen ihrer Meinung nach damit ihren Teil, wenn sie den Frauen umgerechnet ca. 45-90 Cent pro Tag dalassen. Für Sex kommen sie natürlich wieder zurück.

                                Vielleicht gelingt es nicht den jungen Müttern in dieser Generation, denn diese Abhängigkeit und die allgemeine Situation verändern sich nicht von gleich auf jetzt, das ist ein langer Prozess. Jedoch müssen irgendwann die Frauen Mut und Motivation packen, dafür kämpfen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, und ihre Kinder nicht in dieselbe Abhängigkeit geraten zu lassen, genügend eigenes Geld verdienen, um ihnen ausreichende Bildung zu ermöglichen, sodass ihre Kinder nicht in der gleichen Situation stecken. Nur so kann dem Ganzen ein Ende gesetzt werden.

                                Eine echt belastende Situation, die wir hier an unserem letzten Tag noch einmal erfahren. Dennoch sind wir froh über den Besuch, die Situation so hautnah zu erleben und nachvollziehen zu können, weshalb die Entwicklungsarbeit in Ländern wie Kenia so wichtig ist. Letztendlich endet der Besuch auch für alle noch mit etwas Schönem: Wir haben den Kindern und Müttern ein paar aussortierte Schuhe, Spielzeug und Kleidung mitgebracht, worüber sie sich sehr freuen. Die Sachen werden zunächst ausgebreitet und analysiert, dann fair unter allen aufgeteilt. Wir freuen uns, dass unsere alten Sachen hier noch etwas Gutes tun können.


                                Bevor wir uns dann auf den Weg zum Flughafen Richtung Heimreise machen, gibt’s noch einmal ein Dinner im Kavenya, zu dem viele Leute kommen, um uns zu verabschieden. Wir sind gerührt, wie sehr wir den Kenianern ans Herz gewachsen sind, dass sie alle vorbeikommen, um uns zu verabschieden – obwohl wir das eigentlich schon getan hatten. Man merkt, dass sie keine Gelegenheit auslassen wollen, doch noch ein paar letzte Minuten mit uns zu verbringen. Das freut uns natürlich, vor allem, weil sie auch alle sehr gern haben! So herzliche und dankbare Menschen!

                                Naja, und dann heißt es Abschied nehmen, Tschüss schönes Kilifi – ich werde dich vermissen! Noch habe ich die Abreise nicht so richtig realisiert und freue mich vor allem unglaublich auf zuhause, dennoch schießen Valeria und mir kleine Tränchen in die Augen, als wir uns von Paula und Julien vor unserem Haus verabschieden. Es war eine aufregende, lehrreiche, erlebnisvolle und vor allem sehr, sehr schöne Zeit, die wir hier erleben durften! Hope to see you again, Kilifi!